Zunderschwamm-Reihe Teil 2: Finden, Sammeln und Bearbeiten

Der Zunderschwamm in verschiedener Form

Wie schon im ersten Teil dieser Reihe beschrieben findet man den Zunderschwamm auf Birken und Buchen. Sein botanischer Name ist Fomes fomentarius. Auf Norwegisch hat er den Namen „knuskkjuken“ und die Amerikaner nennen ihn „False Tinder Fungus“. Im Gegensatz zu diesem falschen (false) kennen die Amerikaner noch den richtigen, also „Real Tinder Fungu“s. Dieser wird bei uns Schiefer Schillerporling genannt und ist ein anderer Baumpilz, der auf der Birke und anderen Laubbäumen vorkommt. Er soll sich auch sehr gut als Zunder eignen, aber leider habe ich ihn bisher noch nicht gefunden, da er sehr selten vorkommt. Er wächst auf einem von zehntausend Bäumen. Der Vollständigkeit halber will ich hier noch schnell den Birkenporling nennen. Ein weiterer Baumpilz, der häufig auf der Birke zu finden ist. Letzterer hat keine Zundereigenschaften, jedoch soll er gut gegen Magen- und Darmbeschwerden helfen.

Fundort

Aber zurück zum Zunderschwamm – diesen habe ich bei meinen bisherigen Streifzügen nur auf der Birke gefunden und hier auch nur auf bereits abgestorbenen Bäumen. Hier in Norwegen gibt es viele kleine Waldsümpfe, meist in Senken und Talböden. Am Rand dieser Sümpfe findet man oft abgestorbene Birken und mit großer Wahrscheinlichkeit auch den Zunderschwamm. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um stehendes (also noch stehende tote Bäume) oder liegendes Totholz (abgebrochene Äste und Stämme) handelt.

Merkmale

Bisher hatte ich keine Probleme den Zunderschwamm zu erkennen, jedoch kann es zu Verwechslungen mit dem Birkenporling kommen. Daher möchte ich hier kurz auf das Aussehen eingehen.

Zunderschwamm (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)
Birkenporling (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein gutes Erkennungsmerkmal des Zunderschwamms ist die gewellte Oberfläche seines Fruchtkörpers. Das Bild am Artikelanfang zeigt, dass der Fruchtkörper unterschiedlich breit und länglich geformt sein kann, die gewellte Oberfläche bleibt aber. Dabei variiert die Farbe zwischen Hell- und Dunkelgrau. Dies ist auch ein Unterscheidungsmerkmal zum Birkenproling, der eine meist glatte Oberfläche hat, welche viel heller und bräunlich ist. Jedoch können Wettereinflüsse den Birkenporling auch grau erscheinen lassen.

Die Unterseite des Zunderschwammfruchtkörpers ist flach und leicht nach innen gewölbt. Sie ist grau oder ockerbraun gefärbt. Fährt man mit dem Finger über die Unterseite fühlt sich diese komisch (schwer zu beschreiben), stoffartig an.

Oberseite des Fruchtkörpers
Unterseite des Fruchtkörpers

Ernte

Kleinere Fruchtkörper können einfach vom Baum abgebrochen werden. Bei größeren musste ich schon ab und an die Axt herausholen, da sie zu fest am Stamm saßen. Nun habe ich aber in einem Youtube-Video von Bushcraftbartons eine neue Methode gelernt, die ich demnächst mal ausprobieren werde. Bei dieser Methode schlägt man von unten mit dem Handballen gegen den Rand des Fruchtkörpers. Der Zunderschwamm steht übrigens nicht unter Naturschutz (gilt für Deutschland und Norwegen), falls jemand von euch Bedenken hat, ob das Sammeln des Zunderschwamms erlaubt ist. Dabei muss man bedenken, dass man, wie bei anderen Pilzen auch, ja nur den Fruchtkörper erntet und daher das eigentliche Pilzgeflecht im Holz unbeschädigt bleibt.

Bearbeitung

Jetzt kommt die eigentliche Arbeit. Alle Mühe rund um den Zunderschwamm dient der Gewinnung der Trama. Die Trama ist eine Schicht Gewebe, die sich direkt unter der harten Kruste des Fruchtkörpers und über den Röhren befindet. Teilt man den Fruchtkörper, kann man seine verschiedenen Bestandteile meist sehr gut erkennen.

Schnitt durch den Fruchtkörper

 

Wenn man die Trama mit dem Fingernagel ein wenig aufraut, wird sie „fluffig“, filzartig.

Um an die Trama zu kommen, muss man den Fruchtkörper schälen. Die Kruste besteht aus einer grauen Außenschicht und einer braunen inneren Schicht. Beide Schichten zusammen sind sehr dünn, aber auch ziemlich hart. Mit einem scharfen Messer wird sämtliche Kruste vom Pilz geschält, bis nur noch das gelbliche Trama zu sehen ist.

Schälen des Fruchtkörpers

Bitte passt beim Schälen gut auf, da das Messer auf der harten Kruste leicht abrutscht. Ich zumindest hab es mir schön in den Daumen gehauen…autsch.

Als nächster Schritt müssen die Röhren und der Mycelialkern (zwischen Trama und Stamm) entfernt werden. Hierfür muss man entscheiden, in welcher Form man die Trama haben möchte. Will man große Stücke erhalten, kann man den Fruchtkörper mit einem Beil halbieren oder vierteln und dann die Röhren und den Mycelialkern grob weghauen. Der Rest wird dann mit dem Messer versäubert, bis nur noch Trama übrig ist.

Große Stücke Trama fertig versäubert

In dem schon oben genannten Video von Bushcraftbartons wird eine andere Methode gezeigt, bei der man dünnere Schreiben Trama erhält. Bei dieser Methode schneidet man die Trama einfach scheibenweise vom geschälten Fruchtkörper herunter, bis man auf die Röhren stößt. An der Schnittfläche sieht man deutlich den Unterschied zwischen Trama und Röhren, man kann diesen aber auch schon beim Schneiden merken und ggf. den Winkel ändern. Trama schneidet sich viel leichter als die Röhrenschicht. Wie schon gesagt, erhält man mit dieser Methode Scheiben von der Trama, was besser geeignet ist, wenn man den Zunderschwamm zum Feuermachen oder als Wundauflage benutzen will, aber dazu in einem anderen Artikel mehr.

Vor meiner ersten Sammeltour hatte ich gelesen, dass der Zunderschwamm nach dem Sammeln erst einmal trocknen muss. Die ersten gesammelten Fruchtkörper habe ich also ein paar Wochen auf die Fensterbank gelegt, bevor ich angefangen habe, sie weiter zu verarbeiten. Im Nachhinein kann ich davon nur abraten. Das Trocknen des Fruchtkörpers als Ganzes führt dazu, dass die äußere Kruste noch härter wird als sie eigentlich schon ist. Das Schälen wird dadurch zur Qual und auch gefährlicher für die Finger, da man mehr Kraft einsetzen muss. Meine früher gesammelten Fruchtkörper werde ich daher wieder in einem Eimer Wasser einweichen und hoffen, dass sie danach einfacher zu schälen sind.

 

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