Warum sollte man Bier selbst brauen?

Da mittlerweile der dritte 100%-Allgrain-Sud in der Küche blubbert, möchte ich einen kleinen Auschnitt aus Randy Moshers Buch „Radical Brewing“ mit euch teilen.

Randy Mosher nennt viele Gründe, warum man sein Bier selbst brauen sollte und ich finde, dass fast alle dieser Gründe auch auf andere Arten des Selbermachens zutreffen.

 

 

Brau was du willst Die Marketinggenies in den weltweiten Industriebrauereien haben keine Ahnung, welche Art von Bier du magst. Selbst wenn sie es wissen, ist das Beste, was sie machen können, es mit hunderttausend anderen Vorlieben in einen riesigen Topf zu werfen und aus dieser Mischung eine von der Buchführung genehmigte Annährung zu brauen – was auch genau das ist, was sie machen. Durchs Selberbrauen bekommst du genau das, was du magst und wenn du es magst. Du hast dein eigenes Marktmonopol. Du kannst für dich, für deinen Partner, deine Eltern, deine neuen Braufreunde oder Gäste beim Firmenpicknick brauen. Jeder reelle oder erdachte Stil ist in deiner Reichweite: dunkles Pilsener, rauchiges habanero Ale, starkes Pale Ale, Weizenporter. Wenn du auf der Suche nach seltenen, exotischen Bieren bist, kann deine eigene Nanobrauerei die Quelle der exklusivsten Biersorten der Welt sein.

Brau fürs Wissen Durchs Brauen erhält dein Verständnis von Bier eine völlig neue Dimension. Bei Wein dreht es sich hauptsächlich um Landwirtschaft und Wetter; beim Brauen dreht sich alles um den Prozess: die Art und Weise des Mälzens, des Maischens, zu welcher Zeit Hopfen der Würze beigegeben wird, die Vergährungstemperatur. Diese und tausende andere Faktoren sind ausschlaggebend für jedes Bier. Die beste Art zu lernen ist, wie wir wissen, es zu tun – durchs Brauen.

Schärfe deinen Gaumen Ob du nun nervös nach Fehlern in deinen eigenen Kreationen suchst oder die Geheimnisse deines gekauften Lieblingsbieres zu entschlüsseln versuchst, Brauen passt deine Sinne an die vielen Aromen, welche sich in einem Bier verbinden, an. Schokoladenmalz, Cascaden-Hopfen und hunderte von anderen Zutaten hören auf, nur bedeutungsleere Namen zu sein, und springen in den Fokus deiner Sinne als lebender Bestandteil, welcher mit seinem eigenen Charakter zum Biergeschmack beiträgt.

Wiederbeleben der Vergangenheit Die Vergangenheit ist für uns für immer verloren, aber Brauen gibt uns die einzigartige Möglichkeit, die Toten wiederzuerwecken. Biere von vor fünfzig, hundert oder gar tausend Jahren können zurück ins Leben gebracht werden. Natürlich nicht mit absoluter Genauigkeit, aber zumindest nah genug, um dich effektiv in eine andere Menschheitsepoche zu transportieren. Du brauchst dir nicht vorzustellen, wie es wohl war, ein starkes, dunkles, rauchiges, gewürzreiches Kräuterbier aus dem mittelalterlichen Deutschland zu zechen. Wenn du selber braust, suchst du dir einen Gegelstrauch, kochst und schmeckst es direkt selbst.

Verwirkliche dich selbst Brauen ist ein kreativer Akt. Weit entfernt von dem grenzwertigen Zweck unserer täglichen Anstrengungen am Arbeitsplatz. Du kannst eine neue Inspiration für ein Bier bekommen, nach Hause gehen und es brauen – und dann nach ein paar Wochen deine Freunde und dich selbst mit einem Meisterstück erfreuen. Aber es ist mehr als simples Vergnügen: Heimbrauen ist Bier als Kunstform, eine hohe Berufung unserer Natur.

Ein gern gesehener Gast auf jeder Party Deine Freunde werden schamlos von dir prahlen, selbst wenn sie unverzeihlicherweise „vergessen“ haben, Bier zu deiner Party mitzubringen. Aber für die Mitgliedschaft in der eheren Gesellschaft der Heimbrauer ist dies ein geringer Preis. Die Leidenschaft fürs Brauen und die sozialen Bindungen, die mit dem simplen Akt des gemeinsamen Biergenusses verbunden sind, schaffen das große Familiengefühl unter Heimbrauern.

Brauen als Meditation Die schrecklichen Momente ausgenommen, wenn der Braukessel das sechste Mal überkocht, ist Brauen eine sehr entspannende und belohnende Tätigkeit. Klösterliche Traditionen haben schon seit langem die Macht von körperlicher Arbeit auf die Stärkung der Seele erkannt. Nimm die Früchte der Erde, misch sie mit reinem Wasser, verbinde und reinige sie mit Feuer und verwandle sie mit dem Geheimnis der Hefe, welche einmal den Namen „Godisgood“ (Gott ist gut) trug. Hier gibt es Vieles, über das man nachsinnen kann. Und ich kann euch sagen, ein Regal, voll mit frisch auf Flasche gezogenem Bier, ist ein zutiefst beruhigender Anblick.

Brau besser als der andere Typ Für alle Wettkampfbegeisterten bietet Heimbrauen vielfache Möglichkeiten, den eigenen Eifer zu testen. Und nichts schärft deine Braufähigkeiten mehr als der Druck eines kommenden Wettbewerbs. Auch wenn du nicht zu den Wettbewerbsliebhabern gehörst, können diese dir doch gut fundierte und lohnenswerte Rückmeldungen zu deinen Bieren geben, und wie gut sie in den von dir gewählten Stil passen.

Start in eine neue Karriere Die meisten Kleinstbrauereien begannen mit dem Leuchten in den Augen eines Heimbrauers. Du kannst auch deinen stressigen Softwareingeneur- oder Biotechnologiejob gegen die Gummistiefel des Braumeisters eintauschen. Wenn du darüber nachdenkst, eine kleine Brauerei aufzubauen – selbst wenn du planst, nicht selbst der Brauer zu sein – musst du wissen, wie man braut. Kleinstbrauereien sind stark produktfokussierte Betriebe, und du kannst es dir nicht erlauben, nicht soviel wie möglich über das Produkt zu wissen, das du da herstellst.

Einfach das beste Bier Ohne Zweifel, handwerklich gutes Heimgebrautes ist das beste Bier der Welt. Mit einiger Praxis hast du eine bessere Kontrolle über den Brauprozess und kannst mehr und bessere Zutaten verwenden als die typische Mikrobrauerei. Dein Bier kann perfekt abgestimmt, frei von Zusatzstoffen, unfiltriert und unpasteurisiert sein. Den Staub von einem fünf Jahre alten selbstgebrauten Barleywine zu blasen und von seiner gereiften, malzigen Essenz zu schwelgen, ist ein Genuss, den man selten erlebt in einer Welt mit fast ausschließlich kommerziellen Produkten.

(aus „Radical Brewing“ von Randy Mosher)

 

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