Waldläuferwissen – meine Pläne für den Sommer

Hätte man mich vor ein paar Jahren gefragt, was ein Waldläufer ist, hätte ich als Freund von Fantasyfilmen und -literatur schnell Aragorn genannt. Doch der Begriff des Waldläufers ist viel älter als J.R.R. Tolkiens „Herr der Ringe“. Waldläufer nannte man jene freien Pelzjäger, welche zu den Anfängen der amerikanischen Kolonialzeit bis ins 18. Jahrhundert hinein die weiten Wälder Nordamerikas durchstreiften. Oft arbeiteten und lebten diese mit den einheimischen Indianern zusammen. Die französische Bezeichnung dieser Jäger war coureur des bois und es waren zuerst hauptsächlich französische und niederländische Siedler, die auf Jagd nach Pelzen die Wälder durchliefen. Mit zunehmender Organisation des Pelzhandels und der Einrichtung großer Handelsfirmen im 17. Jahrhundert starb der „Beruf“ des Waldläufers langsam aus. Das Wissen der Waldläufer über das Leben in den Wäldern bildete sicherlich eine wichtige Grundlage für die weitere Erforschung und „Neu“besiedlung  (schließlich lebten die Indianer ja schon lange dort) des gesamten Kontinents.

Einer, der heute noch das Wissen der Waldläufer jener Zeit pflegt, ist Keith H. Burgess oder „Le Loup“. Er selbst bezeichnet sich als Living Historian, also als jemand, der Geschichte lebt, anderen davon erzählt und Wissen weitergibt und dadurch bewahrt. Sein Blog „A woodrunners diary“ ist wirklich eine Fundgrube an Wissen für einen Möchtegern-Waldläufer wie mich.

Keith hat unter anderem eine Liste zusammengestellt, mit Fertigkeiten, die ein jeder Waldläufer haben sollte. Hier eine Übersetzung dieser Liste:

  • Feuermachen mit Feuerstein und Stahl
  • Feuermachen bei feuchter Witterung
  • Feuermachen mit dem Feuerbogen
  • Feuermachen mit dem Steinschloss
  • Gebrauch, Pflege und Reparatur des Steinschlossgewehrs
  • Aufbrechen, Enthäuten und Zerlegen von Jagdbeute
  • Schärfen von Klingen
  • Tomahawkwerfen
  • Herstellen von Rohhaut
  • Hirngerbung
  • Bau eines einfachen Unterschlupfs
  • Warmhalten im Winter / bei feuchter Witterung
  • Herstellung von Seil
  • Mokassinkonstruktion und -reperatur
  • Nähen
  • Herstellung eines Stiels für Messer oder Axt
  • Angeln / Fischen
  • Jagen
  • Verwischen von Spuren und Tarnung
  • Spurenlesen
  • Wildnisbewusstsein und -wissen
  • Navigation und Orientierung
  • Fallenbau
  • Kochen auf offenem Feuer
  • Herstellung von Textilien
  • Dörren von Fleisch und anderer Nahrung
  • Wissen über natürliche Zundermaterialien
  • Wissen über Nahrung der Eingeborenen und Zubereitung dieser
  • Spähen
  • Erste Hilfe

Hier in Norwegen ist jetzt endlich der Frühling angekommen und ich spüre den zunehmenden Tatendrang in mir. Nachdem ich meine erste Waldläuferausrüstung fertig habe, müssen neue Ziele für den kommenden Sommer gesteckt werden. Ich will mir neue Waldläuferfertigkeiten aneignen und schon vorhandenes Grundwissen ausbauen und praktisch anwenden. Die Fertigkeiten, die in der Liste oben in grün markiert sind, besitze ich schon auf einem Niveau, mit dem ich zufrieden bin und das meines Erachtens für ein Leben in den Wäldern ausreicht. Natürlich lernt man nie aus. Mein Lernschwerpunkt soll in diesem Sommer auf den orange markierten Fertigkeiten liegen. Die meisten dieser Fertigkeiten benötigen eigene Ausrüstungsgegenstände, wie z.B. Feuerstein, Stahl und Zunderbox für’s Feuermachen. Meine Anfangsausrüstung soll daher im Laufe des Sommers mit diesen Gegenständen ergänzt werden. Eine Sonderstellung nimmt die Jagd ein, die ich nicht autodidaktisch lernen werden kann. Im Mai werde ich meinen norwegischen Jagdschein im Bergens Jeger- og Fiskerforening machen, worauf ich mich schon sehr freue, da ich von mehreren Seiten gehört habe, wie gut und interessant der Kurs ist.

Die Pläne sind geschmiedet, der Sommer kann kommen!

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