Vom Schaf zum Leibchen Teil 6: mehrfarbige Wolle

So viel Spaß das Spinnen und Stricken von Wolle auch macht: mein persönliches Highlight ist das Färben. Nachdem ich mit dem Herstellen von einfarbiger Wolle begonnen hatte (siehe: Teil 4), bin ich nun zum fröhlich-freien Farbklecksen in mehreren Tönen übergegangen. Dafür habe ich bisher zwei verschiedene Techniken benutzt, die ich heute mal vorstellen möchte. Natürlich stehe ich noch gaanz am Anfang eines langen, langen Lernprozesses, aber irgendwo muss man ja mal anfangen, nicht wahr? :)

Wie im vierten Teil dieser Serie schon erwähnt, färbe ich derzeit mit Säurefarben im Topf. In Teil 4 erkläre ich auch, wie genau das Färben im Topf funktioniert und was ihr dafür braucht. Ich habe zwar auch eine Riesenlust, zum Färben mit Naturmaterialien überzugehen. Aber dazu braucht es eben doch mehr Zeit und Muße… und aufgebrauchte Säurefarben. Also ran an den Speck!

Technik #1: Wildes Ausleben à la Pollock

Für dieses bunte Topf-Vergnügen habe ich circa 100g unversponnene Wolle genommen und entsprechend der Grundanleitung in heißes, mit Essig versehenes Wasser getan. Der einzige Trick ist hier, die Farbe nicht vorher aufzulösen und dem Wasser beizumischen. Stattdessen wird das Pulver mit Hilfe einer Messerspitze punktuell über der bereits eingetauchten Wolle verteilt. Für weichere Farbübergänge kann die Wolle dann sachte bewegt oder umgerührt werden.

Nach jedem „Streuvorgang“ wartet ihr, bis die Wolle die Farbe vollständig aufgesogen hat und das Wasser wieder klar ist. Dann könnt ihr die nächste Farbe verteilen. So viel und so lange, wie ihr Lust habt.

Pinkfarbene Wolle im Topf
Durchgang eins: pink

Bei meinem letzten Versuch habe ich mich dazu entschieden, nicht alle weißen Stellen zu färben. Als zweite Farbe kam aber noch etwas braun dazu.

Pink_gesponnen
Das Garn auf der Spule…
Pink_verzwirnt
… und verzwirnt

Diese Methode erklärt Chantimanou übrigens recht ausführlich in ihrem Video-Tutorial zum Thema: Mehrfarbig färben im Topf.

Nachdem ich die Wolle so gesponnen habe, bin ich mit dem Ergebnis eigentlich ganz zufrieden. Jedenfalls dafür, dass es mein erster Versuch war. Leider will mir aber partout nicht einfallen, was ich mit solch quietschig-pinker Wolle überhaupt machen soll :) Das Färben war ja lustig, aber meiner Alltagskleidung entspricht das jetzt vielleicht doch nicht unbedingt, selbst wenn ich das Garn mit einem anderen, zum Beispiel schwarzen oder braunen Garn verzwirne… Deswegen werden in Zukunft Töne genommen, die mir näher liegen: Farben, die an Natur erinnern und die einem nicht ganz so ins Gesicht springen.

Technik #2: Färben im Knäuel

Diese Variante ist etwas aufwändiger, weil sie mehrere (mindestens zwei) Durchgänge des Aufwickelns erfordert. Gefunden habe ich die Idee auf Schnugis.net und sie funktioniert so:

Bereitet wie gewohnt euer Färbewasser vor und löst die Farbe mit etwas Essig darin auf. Nun gebt ihr eure bereits gesponnene und zum Knäuel aufgewickelte Wolle in das Wasser. Das Knäuel soll bewirken, dass die Farbe in den äußeren Knäuelschichten besser aufgenommen wird als weiter innen. So entstehen Farbübergänge von kräftig bis pastell.

Aufgewickelte Wolle im Farbbad
Aufgewickelte Wolle im Farbbad

Wenn ihr auf Nummer Sicher gehen möchtet, könnt ihr die Farbe danach nochmals fixieren, indem ihr die Knäule für eine halbe Stunde bei 80°C in den Ofen schiebt.

Damit euch nichts wegschimmelt, ist es wichtig, die Knäule danach wieder zu öffnen und die Wolle luftig zu trocknen. Erst dann sollte sie wieder aufgewickelt werden. Heraus kommt dabei so etwas:

Wolle, braun meliert
Braun meliert, von Daniel „Latte Macchiato“ getauft

Nun könnt ihr euch sicher denken, welche Methode mir mehr Spaß macht und vom Ergebnis her besser gefällt. Eindeutig die Pollock-Orgie! Allerdings hat man bei beiden hier vorgestellten Methoden relativ wenig Kontrolle über das Farbergebnis. Am Ende entscheidet doch der Zufall, wo und wie die Farben ineinander verlaufen. Vor allem bei der Knäuel-Methode hätte ich mir aber die Farbverläufe weicher vorstellen können. Die sehen noch ein bisschen „rumpelig“ aus, finde ich. Vielleicht probiere ich deshalb noch weitere Techniken aus. So ein bisschen Farbe kann im Winter eh nicht schaden…

 

Und hier die Serie noch einmal im Überblick:

Teil 1: Schafe scheren. Wird nachgereicht ;) Freundschaft geschlossen habe ich aber schon mit diesen Schönheiten.

Teil 2: Wolle waschen

Teil 3: Spinnen mit der Handspindel (Im Moment geschieht das meiste aber mit dem Spinnrad, obwohl ich immer noch ganz verliebt in meine kleine neue Handspindel bin)

Teil 4: Wolle färben

Teil 5: Erste Ergebnisse

 

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