Vom Schaf zum Leibchen Teil 2: Wolle waschen

Die meisten von uns haben ganze Kleiderschränke voll mit Pullovern, Kleidern, Decken und Taschen, langer Unterwäsche, Schals und Mützen. Das meiste davon haben wir irgendwo gekauft und, geben wir es zu, in teilweise rauhen Mengen hinter Holztüren verstaut. Aber wissen wir auch, was es an Zeit, Materialien und anderen Resourcen braucht, um nur einen Wollpullover herzustellen?

Ich weiß es nicht. Noch nicht! Deshalb will ich in diesem und den nächsten Jahren am eigenen Leib spüren, was es heißt, Kleidung aus Wolle herzustellen. Und weil das allein nur halb so viel Spaß macht, eröffne ich hiermit eine Serie über den Weg der Wolle vom Schaf zum Mensch. Ich nehme mal an, dass diese Expedition schon aus rein praktischer Sicht spannend wird, denn sie wird sich allein in unserer Wohnung abspielen müssen. Deshalb werde ich versuchen, den Maßstab des Ganzen klein zu halten. Es beginnt…

Dieter
Der Dieter
Rohwolle
Säcke voller Rohwolle

…mit jeder Menge fettiger Wolle von Dieter, Olav und den weiteren lieben Mitbewohnern von Kristian und Signe. Schafe habe ich noch (!) nicht, eins geschoren auch nicht. (Ich arbeite dran. Deshalb heißt dieser Teil „Nr. 2“ – die „Nr. 1“ folgt!) Die Säcke voll Wolle, die ihr oben seht, hat ein professioneller Schafscherer gefüllt. Die dreckigsten und verfilzten Stellen hat er schon beim Scheren aussortiert, aber es war trotzdem noch jede Menge Stroh und Dreck drin. Hier beginnt also meine Reise – als Quereinsteiger sozusagen.

Bevor ich mit der Rohwohlle etwas anfangen kann, muss sie ins Wasser. Jetzt geht es los:

Wolle waschen

Wolle kann entweder vor oder nach dem Spinnen gewaschen werden. Manche SpinnerInnen mögen es, die Wolle fettig zu verspinnen. Ich persönlich mache das nicht so gern, weil die Wolle nicht so schön durch die Hände gleitet, sich weniger gut ausziehen lässt und eventuelle verfilzte Stellen weniger gut entfernt werden können, wenn alles „zusammen pappt“. Aber das ist reine Geschmacksache. Hier seht ihr, wie ich die Wolle vor dem Spinnen reinige. Das geht im Grunde sehr einfach:

  • Heißes Wasser (es dürfen ruhig 70 Grad sein, so kommt es bei uns aus dem Hahn) in einen Eimer, ins Waschbecken oder in eine Wanne einlassen
  • einige Spritzer gewöhnliches Handspülmittel dazugeben und mit der Hand verrühren. Das Wasser sollte danach etwas schleimig sein, jedenfalls, wenn ihr noch ordentlich fettige Wolle in den Händen haltet. Etwas Soda funktioniert genauso gut.
  • Wolle vorsichtig ins Wasser legen und langsam unter Wasser drücken. Ist das Wasser zu heiß für eure Hände, könnt ihr dafür Hilfsmittel wie eine Schaumkelle oder einen sauberen Toiletten-Pömpel benutzen (haben die Dinger auch einen vernünftigen Namen?!)
  • Nach circa 15 Minuten seht ihr wahrscheinlich, dass das Wasser trübe geworden ist. Nehmt die Wolle vorsichtig und langsam aus dem Wasser; sie sollte sich dabei möglichst wenig bewegen. Wringt sie nicht aus und rubbelt nicht an der Oberfläche. Legt die Wolle beiseite, lasst frisches, heißes Wasser ein und legt die Wolle wieder vorsichtig hinein.
Im unteren Teil sieht man ganz gut, wie das herausgelöste Fett an der Oberfläche schwimmt.
Waschbecken
Reinigung im Waschbecken. Zum Herausnehmen hänge ich gern ein altes Sieb in einen Eimer. Dort kann die Wolle abtropfen, während ich frisches Wasser einlasse.
Soaken
Größere Wollmengen lassen sich wunderbar in handelsüblichen Wäschenetzen in der Badewanne reinigen. Die Netze erleichtern auch das Herausnehmen der Wolle.
  • Wiederholt die Prozedur so lange, bis das Wasser klar ist und keine Schaumbläschen mehr im Wasser zu sehen sind. Das Spülmittel sollte vollständig ausgewaschen sein.
  • Nehmt die Wolle ein letztes Mal heraus und presst vorsichtig das Wasser aus.

 

Wolle trocknen

Ist alles Spülmittel aus der Wolle ausgespült worden, kann sie auf ein großes Handtuch ausgebreitet und fest darin eingerollt werden. Das presst schon einmal eine große Menge Wasser heraus. Danach können die Fasern aufgelockert auf einem normalen Wäscheständer getrocknet werden. Ihr könnt Netze, zum Beispiel Fliegengitter oder Mosquitonetze, über den Ständer spannen, damit die Wolle nicht zwischen den Stäben hindurch fällt.Die Wolle trocknet von allen Seiten gut durch, wenn sie regelmäßig (täglich) gewendet wird.

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Der Vorteil von Wäscheständern ist, dass die Wolle auch von unten gut belüftet wird

Allen Worten zum Trotz ist es manchmal hilfreich, die Sache „live“ zu sehen. Hierfür sei euch die Video-Reihe von Chantimanou wärmstens ans Herz gelegt. Leider kann man auch dort nicht den Duft frisch gewaschener Schafwolle erschnuppern. Ehrlich, ich liebe diesen Geruch!

Und für Interessierte: den schon veröffentlichten Artikel über das Spinnen mit der Handspindel habe ich als Teil drei in diese Serie eingefügt. Viel Spaß beim Lesen!

 

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