Verhaspelt und auf dem Holzweg: die Vergangenheit lebt weiter

Ich finde Sprache faszinierend. Aus vielen Gründen. Einer davon ist, dass sie Zeiten lebendig macht, die wir nur aus Büchern und Filmen kennen. Und meist denken wir nicht mal darüber nach! Erst nachdem ich mit dem Spinnen begonnen hatte, fiel mir die Redewendung vom „Verhaspeln“ auf. Und warum sollte ich meinen geschnitzten Löffel eigentlich wieder abgeben? Warum sollte ich nicht in Daniels Fettnäpfchen treten? Und wie wird denn nun ein Schuh draus?

Es gibt eine ganze Menge Redewendungen, die wunderbar zu den Themen auf diesem Blog passen. Denn sie handeln von vergangenen Zeiten, von Handwerken und Natur… Um nichts anderes soll es heute gehen. Reine Sprach-Freude! Hier eine fröhlich-freie Auswahl zum Schmökern, so halbwegs geordnet nach den Themenblöcken unseres Blogs:

 

Köstliches

Da sind Hopfen und Malz verloren: Schon seit dem Mittelalter wurden zur Herstellung von Bier die Grundstoffe Hopfen und Malz verwendet. Wenn die Zusammensetzung falsch war, oder die spätere Gärung fehlschlug, so waren sowohl die Grundstoffe als auch das Ergebnis nicht brauchbar. (Quelle 1)

Sein Fett weg bekommen: In früheren Zeiten verteilte das Familienoberhaupt nach Hausschlachtungen Fleisch und Fett an alle Familienmitglieder. Jeder bekam genau das, was ihm zustand. Später wurde diese Redeweise ironisch verdreht, der Sinn änderte sich: wenn jemand Mist gebaut hatte, stand ihm eine Strafe zu – und er bekam sein „Fett ab“. (Quelle 2)

Alles in Butter: Diese Redensart stammt aus dem Mittelalter. Wenn damals teure Gläser aus Venetien über die Alpen transportiert werden mussten, blieb Bruch selten aus. Doch dann hatten die Fuhrleute die entscheidene Idee. Sie legten die Gläser in große Fässer und gossen heiße, flüssige Butter dazu. Wurde diese fest, hielt Sie die Gläser an Ort und Stelle und dämpfte die Stöße der Kutsche. Selbst wenn ein Fass vom Wagen fiel, zerbrachen die Gläser nicht. Es war eben „alles in Butter„. (Quelle 2)

Quelle: Christoph Aron  / pixelio.de
Quelle: Christoph Aron / pixelio.de

 

Haus und Hof

Sich verhaspeln: Beim Spinnen wird aus unbearbeiteter Wolle Garn gesponnen, dieses wird auf einer Haspel aufgerollt. Verliert man beim Aufrollen den Faden, hat man sich „verhaspelt“. (Quelle 2)

Montags blau machen: Hier gibt es verschiedene Theorien. Es ist unter anderem ein eigener Ausdruck der Wollfärber: die an der Luft schnell indigoartig-blaufärbende Wolle wurde den ganzen Sonntag über im Bad gelassen, um sie montags an der Luft trocknen zu lassen; so konnten die Gesellen an diesem Tage ausruhen. Eine andere Interpretation rührt von der Tradition eines verkürzten oder arbeitsfreien Montags der Handwerker. (Quelle 4)

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Aus der Schuhmacher-Sprache. Manche Nähte müssen zunächst auf links genäht werden, d.h. die Lederstücke werden von innen nach außen gewendet und sehen zunächst noch nicht wie ein Schuh aus. (Quelle 3)

Mokassins
Mokassins

Sich auf die Socken machen: Socken waren einst leichte Schuhe, die auf die Schnelle ausreichten.

Jemandem einen Korb geben: Nach einem alten volkstümlichen Motiv wurde der Freier in einem Korb, der aus dem Fenster der Angebeteten herunter gelassen wurde, hinauf gezogen. War der Freier unerwünscht, wurde ein Korb mit lockerem Boden herunter gelassen. Dieser brach unter dem Gewicht des Freiers durch. Eine andere Variante der Abweisung bestand darin, den Korb mit dem Freier auf halber Höhe des Hauses „hängen zu lassen“. (Quelle 2)

Den Löffel abgeben: Als Essbesteck noch wertvolles Erbstück war, übernahm der Jüngste den Löffel vom Verstorbenen. (Quelle 1)

Etwas an den Nagel hängen: Schneider hängten den noch nicht fertiggestellten Anzug bis zur Weiterarbeit an den Nagel.

Ins Fettnäpfchen treten: So wie heute noch Lederschuhe eingefettet werden, damit keine Feuchtigkeit eindringen kann, versuchte man sich schon vor Jahrhunderten vor nassen Füßen zu schützen. Deshalb war es bei den Bauern üblich (wenigstens regional), in die Nähe der Eingangstür (oder auch des Ofens) einen Napf mit Fett zu stellen, aus dem sich auch Gäste bei Bedarf bedienen konnten. Dabei kam es vor, dass jemand das Pech hatte oder so ungeschickt war, in den Napf zu treten und dann entsprechende Fußabdrücke zu hinterlassen. Eine andere Theorie besagt, dass man früher Schinken und Würste unter die Decke zum Trocknen aufhing. Um das herunter tropfende Fett aufzufangen, wurden kleine Näpfe darunter gestellt.  (Quelle 2)

Daniels Lederpflegemittel nach altem Rezept - für Leder geschmeidig wie Katzenfell!
Daniels Lederpflegemittel nach altem Rezept – für Leder geschmeidig wie Katzenfell!

 

Historisches | Woodcraft

Jemandem das Handwerk legen: Wenn jemand gegen die Handwerksregeln verstoßen hatte, gab es durch die Zunftordnung die Möglichkeit, ihn zur Niederlegung seines Handwerks zu zwingen. (Quelle 1)

Auf dem Holzweg sein: Der Transport von abgeschlagenen Holzstämmen gräbt tiefe Schneisen in den Waldboden. Diese Furchen verwechseln Spaziergänger oft mit normalen Wegen durch den Wald. Die Holzwege enden jedoch abrupt an der Stelle, an der der Baum geschlagen wurde. Folgt man also einem falschen Gedankengang, ist man auf dem Holzweg und rennt einem Irrtum hinterher. (Quelle 2)

Ihm schwimmen die Felle weg: Vom Kürschner (Pelzer) entlehnt, der seine zugerichteten (gegerbten) Felle in fließenden Gewässern ausspülte. (Quelle 3)

Schießtasche aus Waschbärpelz

 

Sport und Jagd

Durch die Lappen gehen: Bei der Treibjagd benutzte man früher weiße Leinentücher, die man von einem großen Kreisumfang zu einem kleinen zusammen zog. Jeder Treiber trug also so ein Leinentuch um das Wild in die Nähe der Jäger zu treiben, oder die Lappen wurde an Bäume und Büsche gebunden. Das Wild scheut davor zurück. Büchste dann ein Jagdtier aus und rannte in Panik durch die Lappen, hieß es: „der ist mir durch die Lappen gegangen“. (http://www.mittelalter-kontor.com/cms/redewendungen-sprichwoerter-redensarten.html)

Etwas aus dem Hut ziehen: Kommt angeblich nicht von den Zauberern, sondern von Bogenschützen, die ihre Ersatz-Sehne für den Bogen unter der Kopfbedeckung vor Regen geschützt verborgen hatten. (Quelle 2)

Selbstgenähter und -punzierter Seitenköcher

 

Quelle 1: Medienwerkstatt online.de

Quelle 2: Mittelalter-Kontor.com. Redewendungen, Sprichwörter, Redensarten.

Quelle 3: Wikipedia. Liste deutscher Redewendungen.

Quelle 4: Wikipedia. Blauer Montag.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.