Talg, Tran und Bienenwachs: natürliche Rohstoffe, Teil 2

Hier folgt nun der praktische Teil zum Thema Talg, Tran und Bienenwachs. Nachdem ich im ersten Teil diese drei natürlichen Rohstoffe beschrieben habe, wird nun geköchelt und gepanscht. Zuerst einmal soll es um das Schmelzen von Talg gehen und danach stelle ich das Lederpflegemittel her, von dem ich schon im ersten Teil geschwärmt habe.

Herstellung von Talg

Das für Talg benötigte Eingeweidefett gibt es hier in Norwegen in der Tiefkühltruhe (unter dem Namen „Ister“), wobei ich im ersten Teil beschrieben habe, wie schwer es war, an eine dieser Tüten heranzukommen. Das Fett kommt in Quaderform und wird im ersten Arbeitsschritt möglichst klein geschnitten. Das Zerkleinern reduziert die Zeit, die man zum Schmelzen benötigt.

Eingeweidefett vom Rind in Quaderform

Das zerkleinerte Fett kommt in einen Topf, wobei man etwas Wasser hinzugeben sollte, damit das Fett am Anfang nicht anbrennt. Dann lässt man das Ganze solange köcheln, bis sich alles Fett gelöst hat. Das kann schon einige Stunden dauern. Überraschenderweise hielt sich der Fettgeruch in der Küche stark in Grenzen.

Das zerkleinerte Fett köchelt vor sich hin.

Neben dem Fett verbleiben noch andere Gewebereste im Topf. Um diese vom Fett zu trennen, muss die Flüssigkeit gefiltert werden. Ich habe hierfür ein Leinentuch über ein Einweckglas gespannt und die Flüssigkeit durchlaufen lassen. Ab und an sollte man die herausgefilterten Gewebereste mit einem Löffel entfernen, damit die Flüssigkeit besser abläuft.

Nach dem Filtern lässt man alles über Nacht abkühlen. Hierbei entstehen zwei Schichten im Glas: der Talg setzt sich als rein weiße Schicht oben ab. Darunter entsteht eine Schicht aus einer geleeartigen Substanz, von der ich nicht weiß, was sie eigentlich ist. Der Talg kann mit einem Löffel von der geleeartigen Schicht gekratzt werden.

Um den Reinheitsgrad des Talgs zu erhöhen, sollte der oben beschriebene Vorgang wiederholt werden. Das habe ich bei meiner ersten Talgherstellung nicht gemacht und musste feststellen, dass im Talg verbleibende Gewebereste anfangen zu schimmeln. Gut gereinigter Talg kann in einem verschlossenen Behälter bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden.

Unser selbst hergestellter Talg

Herstellung des alten Lederpflegemittels

Das schon im ersten Teil beschriebene universelle Lederpflegemittel besteht aus drei gleichen Teilen von Talg, Tran und Bienenwachs.

Drei natürliche Rohstoffe

Zuerst wird das Wachs geschmolzen. Hierbei ist es SEHR wichtig, ein Wasserbad zu verwenden, besonders wenn man auf offener Flamme kocht. Ohne Wasserbad kann das Wachs plötzlich aufkochen und aus dem Topf spritzen. Hier kann man sich nicht nur verbrennen, sondern flüssiges Wachs ist auch leicht entzündlich – dann steht der ganze Herd in Flammen.

Fürs Wasserbad habe ich einen Topf zur Hälfte mit Wasser gefüllt und einen etwas kleineren Topf hineingestellt.

Das Bienenwachs schmilzt im Wasserbad

Nachdem das Bienenwachs geschmolzen ist, wird der Talg hinzugegeben. Wenn auch dieser geschmolzen ist, kommt als letzte Zutat der Tran hinzu. Danach wir alles gut verrührt und man kann die Flüssigkeit zum Abkühlen in ein Gefäß geben. Ich habe hier eine alte Teedose verwendet.

Im abgekühlten Zustand hat die Creme eine hellgelbe Farbe und riecht wunderbar nach Bienenwachs. Meine Cowboystiefel haben natürlich gleich eine Behandlung mit diesem tollen Lederpflegemittel erhalten.

Lederpflegemittel nach altem Rezept - für Leder, geschmeidig wie Katzenfell!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.