Stilleinlagen aus Heilwolle

Seit wir Eltern werden, rücken zusätzlich zu den bekannten auch ganz ungewohnte Themen in unser Blickfeld. Zu Wein und Wolle gesellen sich Wippen und Windeln. Und Stilleinlagen. Meist werden zwei Arten von Stilleinlagen im Handel angeboten: Einweg-Einlagen und teurere, oft aus sogenannter „Heilwolle“. Was ist Heilwolle und was kann sie? Und wie macht man Stilleinlagen schnell und viel preiswerter selbst?

Was ist „Heilwolle“?

„Heilwolle“ ist einer dieser herrlich sinnlosen Begriffe, denn es handelt sich einfach nur um naturbelassene, noch fettige Schafwolle. Meist handelt es sich um feine, weiche Wolle vom Merino-Schaf. Das in der Wolle enthaltene Fett heißt Lanolin und ist einigen vielleicht schon aus diversen (Wund)Salben, Cremes und anderen Kosmetika bekannt. Diese Produkte, übrigens auch Wundsalben für wunde Brustwarzen, beinhalten Lanolin, weil es wundheilende, antibakterielle und hautfreundliche Eigenschaften hat. Sie werden daher vor allem bei nässenden Wunden, Dekubitus, Windeldermatitis und eben bei durch Stillen entzündeten Brustwarzen verwendet. Bei „Heilwolle“ treffen zwei geniale Eigenschaften aufeinander: die der luftdurchlässigen, temperaturregulierenden Wolle und die des heilenden Wollfettes.

Lanolin-Behandlungen gibt es wahrscheinlich seit der Mensch die Schafwolle für sich entdeckt hat. Die Seite Heilwolle.com führt an, dass bereits die Menschen der Antike von den Vorteilen des Wollfettes wussten und es gezielt eingesetzt haben. Das heißt, dass dieser Artikel eigentlich ein Jahrtausende alter Hut ist.

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Stilleinlagen aus naturbelassener Merinowolle

Warum Stilleinlagen aus „Heilwolle“?

Stilleinlagen haben idealer Weise drei Eigenschaften: sie können viel Flüssigkeit aufnehmen, sie halten die Haut luftig trocken und sie haben im Idealfall eine hautberuhigende, entzündungshemmende Wirkung. Naturbelassene Wolle erfüllt all diese Voraussetzungen. Aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung kann Lanolin ein Vielfaches seines Eigenvolumens an Wasser aufnehmen. Schafwolle ist generell dafür bekannt, Flüssigkeiten gut aufzunehmen und trotzdem trocken und luftig zu halten – gerade das macht sie ja seit Jahrtausenden so beliebt. Das ist der Grund, warum so viele Babys weltweit auf Lammfellen schlafen. Auch die Skandinavier tragen ihre typischen Schafwoll-Pullover nicht ohne Grund, die wissen, was bei viel Wasser von allen Seiten hilft :)

Wie macht man Stilleinlagen selbst?

Stilleinlagen selbst zu stricken ist kinderleicht, und in zwei Stunden ist so ein Paar auch schon fertig (jedenfalls bei mir, die ich recht gemütlich vor mich hinklimpere. Speed-Stricker schaffen mehr). Die beste und einfachste Strickanleitung habe ich auf dieser dänischen Seite gefunden. Da mir die dort beschriebenen Einlagen mit 10cm Durchmesser etwas klein vorkamen, habe ich die Anleitung modifiziert (jetzt ca. 12cm Durchmesser). Hier also eine deutsche, etwas abgewandelte Version der Anleitung:

  • Garn: Naturbelassene feine, weiche, fettige Merinowolle für eine Nadelstärke von 3 bis 5mm
  • Stricknadeln: Rundstricknadeln mit 3-5mm Druchmesser oder entsprechende längere Sricknadeln. Ein Nadelspiel wird nicht benötigt.
  • Strickmuster: Glatt rechts, das heißt die Hinreihen werden rechts und die Rückreihen links gestrickt. Nach und nach werden in der ersten Hälfte (in den Hinreihen) immer mehr Maschen aufgenommen, in der zweiten Hälfte werden sie (auch in den Hinreihen) dann wieder abgenommen. So entstehen kreisrunde Einlagen, die sich von selbst der Brustform anpassen.
  • Maschenanschlag: Zuerst werden 10 Maschen auf einer Rundstricknadel angeschlagen. Dann geht es wie folgt weiter:

1. Hinreihe: 16 Maschen (dann in der Rückreihe ganz normal links abstricken. Gilt auch für alle folgenden Reihen)
2. Hinreihe: 20 Maschen
3. Hinreihe: 22 Maschen
4. Hinreihe: 24 Maschen
5. Hinreihe: 24 Maschen
6. Hinreihe: 26 Maschen
7. Hinreihe: 26 Maschen
8. Hinreihe: 28 Maschen
9. Hinreihe: 28 Maschen
10. Hinreihe: 28 Maschen
****************************** Hier ist die Mitte, ab hier wird die Maschenanzahl wieder reduziert.
11. Hinreihe: 28 Maschen
12. Hinreihe: 28 Maschen
13. Hinreihe: 28 Maschen
14. Hinreihe: 26 Maschen
15. Hinreihe: 26 Maschen
16. Hinreihe: 24 Maschen
17. Hinreihe: 24 Maschen
18. Hinreihe: 22 Maschen
19. Hinreihe: 20 Maschen
20. Hinreihe: 16 Maschen
21. Hinreihe: 10 Maschen (auf dem Rückweg abketten und die Fäden auf der Rückseite der Einlage vernähen.)

Aus 100g Wolle habe ich vier Paar gestrickt.

Stilleinlagen_1
Die Einlagen passen sich von allein der Brustform an.

Wie viele solcher Einlagen braucht man und wie pflegt man sie?

Da ich noch keinerlei Erfahrung mit den Einlagen gemacht habe, kann ich hier nur andere Leute zitieren, und die sind sich wie immer ziemlich uneinig. Die norwegische Wollprodukt-Seite nostebarn.no behauptet, dass zwei Paar ausreichen – eines zum Tragen, während das andere gewaschen wird. Die Ratgeber-Seite Familie und Tipps rät zu 5 bis 6 Paar.

Pflegen tut man die Wolle so, dass das natürliche Wollfett erhalten bleibt. Das bedeutet, dass man die Einlagen in der Waschmaschine mit einem schonenden Wollprogramm (30 Grad, wenig schleudern) und mit Wollwaschmittel wäscht. Wie immer gilt: an Wolle gehört kein Weichspüler. Alternativ kann man die Einlagen auch in einem Topf auskochen. Schafwolle hält diese Temperaturen durchaus aus, wenn man sie dabei nicht bewegt oder Seife hinzufügt (sonst verfilzt sie und das Fett wird herausgelöst). Wer möchte, kann Schafwolle auch wieder mehr Fett hinzufügen, indem man etwas Lanolin (in diversen Apotheken und Woll-Läden erhältlich) in warmem Wasser auflöst und die Wolle für einige Stunden hineinlegt. Das gilt natürlich auch für Wollkleidung, Wollwindeln & Co.

Haben Einlagen aus Heilwolle auch Nachteile?

Klar, wie so ziemlich alles :) Da sie häufig dicker sind als Einweg-Einlagen, zeichnen sie sich eventuell auch leichter unter einem T-Shirt ab. Außerdem müssen sie natürlich immer mal gewaschen werden, während andere Einlagen fix in den Müll wandern. Besonders unterwegs finden manche es vielleicht praktischer, alte Einlagen beim Austauschen wezuwerfen statt sie in einem Beutel „zwischenzuparken“, bevor sie später gewaschen werden können. Angeblich bleiben Einweg-Einlagen dafür leichter an wunden Brustwarzen kleben, was zusätzlich reizen kann – aber dazu kann ich wie gesagt nicht viel sagen. Einfach ausprobieren und gucken was passiert… :)

Habt ihr Erfahrungen mit Woll-Einlagen gemacht?

 

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