Sensen rockt!

Wie oft passiert es schon, dass man Leute mit einer Sense herum gehen und Gras mähen sieht? Eher selten. Und wenn, dann sind die Leute alt. Warum eigentlich? Bis vor wenigen Wochen war mir die Antwort egal. Dann waren Freunde zu Besuch und haben begeistert auf eine alte, unter Spinnweben versteckte Sense in einem der Ställe gezeigt. Flux war die Sense aus der Dunkelheit gezerrt, damit wir mit ihr ein bisschen dilettantisch auf der Weide herumfuchteln konnten. Weil das Spaß gemacht hat und uns danach tatsächlich das Gras zu Füßen lag (wenn natürlich auch nicht viel und vor allem nicht sehr schön), fing das Gerät an Daniel und mich zu faszinieren. So sehr, dass wir noch ein zweites geschmiedetes Sensenblatt gekauft haben, um einen Teil unserer Wiese regelmäßig damit zu mähen.

Erste Geh- und Mähversuche

Was hat die Sense für Vorteile?

Wenn man bedenkt wie

  • leise das Mähen mit der Sense vonstatten geht (was gerade an Sonn- und Feiertagen, Mittags- und Abendstunden sehr praktisch ist)
  • unabhängig man von Strom und Benzin ist
  • entspannend und befriedigend das Mähen ist
  • schnell das Mähen geht
  • förderlich es für die Artenvielfalt einer Wiese ist
  • leicht die Sense zu pflegen und selbst zu reparieren ist
  • preiswert die Sense im Vergleich zu motorisierten Kumpanen ist
  • platzsparend sie untergebracht werden kann…

… dann spricht schon einiges dafür, es damit einfach mal zu probieren, finde ich. Und das haben wir auch getan, zumal wir zur Zeit noch gar keinen Rasenmäher besitzen. Allerdings war unsere Sense nicht nur alt, sondern auch rostig und stumpf. Gelernt haben wir daher als erstes: ohne scharfes Sensenblatt läuft nix.

Wie bekommt man die Sense scharf?

Schärfen kann man die Sense in zwei Schritten. Zunächst „dengelt man“. Ich liebe dieses Wort! Dengeln bedeutet, dass man mit einer Art Hammer auf die Schneide der Sense schlägt, um sie am Rand hauchdünn zu bekommen – diesen Teil der Schneide nennt man den „Dangl“ (endgültig mein Wort des Jahres!). Den Dangl dengelt man also so dünn wie möglich. Bei Profis wölbt sich der Dangl, wenn man einen Fingernagel darunter hält und gegen das Metall drückt.

Im zweiten Schritt schleift („wetzt“) man die Schneide mit einem angefeuchteten Wetzstein. So wird der Grat entfernt und die Schneide endgültig geschärft. Über das richtige Schärfen der Sense gibt es noch ein paar Worte zu verlieren, die wir demnächst in einem eigenen Blog-Beitrag aufsammeln.

Den Wetzstein hat man beim Sensen am besten gleich dabei, um die Sense immer wieder zu schärfen. Gute Sensen bleiben länger scharf.

Die Technik ist nicht unwichtig, sollte aber nicht vom Mähspaß abhalten

Nach der Schärfe ist die Mäh-Bewegung wohl das Wichtigste, um den Körper nicht zu sehr beanspruchen (es soll nämlich gar nicht anstrengen, früher machte man das tagelang auf großen Feldern) und möglichst schnell eine große Fläche mähen zu können. Soweit ich es mitbekommen habe, hält das Üben der Technik viele Leute aber davon ab, die Sense zu schwingen. Üben empfinden viele ja eher als belastend. Ich glaube allerdings auch, dass vielen von uns der Perfektionismus dem Spaß im Wege steht. Es mag ein paar Anläufe brauchen, bis es so richtig professionell aussieht – Gras geht aber so gut wie immer ab, und man hat den Dreh früher oder später raus. Erfrischend ehrlich ist wieder einmal Ralf vom Selbstversorger-Kanal, der sich bei den ersten Mäh-Versuchen gefilmt hat. So ungefähr sah ich auch aus. Willkommen im Anfänger-Club :)

„Mit etwas Übung lernt man bald, was es ist, das perfekte Sensen: es vollzieht sich in eleganten, rhythmischen Bewegungen. Arme, Beine und Wirbelsäule werden nicht belastet.“ (Berhnhard Lehnert in „Einfach mähen mit der Sense“, S. 36)

Idealer Weise zieht man die Sense im Halbkreis vor sich von rechts nach links. Dabei liegt die Sense auf dem Boden auf und schneidet das Gras mit der messerscharfen Klinge schräg und bodennah ab, ohne dass die Spitze im Erdreich versinkt. Die meisten Anfänger, und dazu zähle ich auch, schwingen die Sense durch die Luft und schlagen das Gras damit ab. Das ist auf Dauer zu kraftaufwendig, sieht im Ergebnis ungleichmäßig aus und sorgt dafür, dass die Spitze ständig irgendwo stecken bleibt. Bodennahe Halbkreise ziehen – das ist schon die ganze fummelige Kunst. Dass richtiges Mähen mit der Sense körperlich nicht sehr anstrengend ist, beweist der 84-jährige Hans Stein in seinem lehrreichen Youtube-Video.

Für heute ist die Arbeit getan.

Unbedingt empfehlen möchte ich euch das Buch „Einfach mähen mit der Sense“ von Bernhard Lehnert. Auf schmalen 77 Seiten erklärt Herr Lehnert sehr verständlich und bebildert, worauf es beim Mähen mit der Sense ankommt. Er gibt Tipps zum Kauf, zum richtigen Einstellen und Schärfen, zur Mähbewegung, zu typischen Anfängerfehlern und auch zur optimalen Zeit und Häufigkeit der Mahd. Wirklich gut finde ich den unaufgeregten Schreibstil. Für ein deutschsprachiges Sachbuch ist es angenehm knackig geschrieben und es sind keine dieser humorlosen Stock-im-Popo-Schachtelsätze dabei (denn die machen mich wahrlich aggressiv).

Herr Lehnert betreibt übrigens auch die Sensenwerkstatt, in der wir unsere zweite Sense gekauft haben. Gratis dazu gab es gleich ein paar Antworten auf unsere Fragen zur schon vorhandenen, alten Sense. Einfach sympathisch.

Nun werden wir etwas weiter üben und demnächst unsere Erfahrungen mit dem Schärfen teilen. Außerdem werden wir dann die neue Sense besser getestet haben. Ich bin gespannt, ob ich besser mit der neuen Sense oder mit dem alten Vorkriegs-Teil klarkomme. Bis dann!

 

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