Selbstversorgung als Weg und Ziel: wo stehen wir? Abendgedanken

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Einmal im Monat erforscht Annika in ihrem Grünen Himmel die kleinen Schritte, die uns zu Selbstversorgern machen. Wer Lust hat, macht mit – und staunt über die Freude am Sammeln, Tauschen und Gestalten. :)

Die letzten fünf Schritte waren spannend und haben die verschiedenen Seiten der Selbstversorgung beleuchtet: was brauche ich, um mich ein Stück weit selbst zu versorgen? Wo kann ich damit beginnen? Und vor allem: wie?

Die erste Hälfte des Jahres ist um. Es ist Zeit, mal alle Blumentöpfe, Nadeln und Einmachgläser aus der Hand zu legen und sich zu fragen: Wie weit sind wir bisher gekommen mit der Idee, uns ein Stück weit selbst zu versorgen? Wie sieht unser Alltag aus? Ist es das, was wir wollten? Was ist uns bisher gelungen, was ist schiefgegangen? Was wünschen wir uns für die Zukunft?

 

Selbstversorgung – warum überhaupt?

Das erste, was mir immer zum Thema Selbstversorgung einfällt, ist: Lebensqualität. Bei diesem Thema denke ich oft meine Großeltern, die es auf ihrem Bauernhof nach wie vor schaffen, jeden Moment gelassen zu erleben und das hektische Stadtleben sprichwörtlich auszusperren. Das heißt, sie nutzen auch in ihrem Alter das Internet, sind neugierig, reisen und lieben die Oper; aber die ländliche Gelassenheit, Freude, Gastfreundschaft und die Kunst, das Leben zu genießen, so wie es eben ist, das haben sie sich bewahrt. Und genau diese Einstellung ist es, die ich als erstrebenswert erachte. Die bekannte „German Angst“ und meine Großeltern, das passt einfach nicht zusammen!

In unseren Artikeln „Der Wert des Selbermachens“ und „Die Zeit und was wir daraus machen“ haben wir schon einmal laut nachgedacht, was Selbstversorgung für uns mit Lebensqualität, Gelassenheit und Respekt zu tun hat. Wir denken, dass wir durch das „Selbermachen“ ein Stück weit kreativer geworden sind und die (sogenannten) alltäglichen Dinge, insbesondere Kleidung und Lebensmittel, wieder zu schätzen gelernt haben.

 

Welche Schritte haben wir gemeistert?

Soweit zur Theorie. Und wie weit sind wir nun damit gekommen?

Leider können wir im Moment nicht in dem Maße loslegen, wie wir es uns wünschen würden. Wie schon in einem früheren Post beschrieben, kommen wir hier einfach an keine der raren Gartenflächen heran, und die Bedingungen für einen Wohnzimmergarten sind selbst im Sommer alles andere als optimal. Im Moment sehe ich zwei Cocktailtomaten zu, wie sie trotz des ungewöhnlich „sonnigen“ Sommers vergeilen…

Andererseits hätten wir mit einem prallen Garten nie so viel Zeit gehabt, uns mit anderen schönen Seiten der Selbstversorgung zu beschäftigen.

In den regenfreien Zeiten streifen wir mit unserem Handbuch durch die Natur, lernen etwas über Wildkräuter und recherchieren, was wir damit anstellen können. Von Wein über Tee bis zu Sirup und Likör war schon einiges dabei und hat nebenbei ein paar wunderbare Präsente abgegeben.

Statt im Garten zu sein, backen wir mehrmals die Woche unser Brot. Hat man sich einmal an diese Wucht von Geschmack gewöhnt, führt kein Weg mehr in den Supermarkt! (Hier schon gar nicht.)

Ein paar Gewürze auf der Fensterbank trotzen den nordischen Verhältnissen und beenden ihr Dasein als Zitronenmelissen-Tee, Basilikum-Tomaten-Häppchen und Kräuterkäse. Auf diese genügsamen Kräuter werde ich mich in Zukunft konzentrieren und einen schönen, großen Blumenkasten mitten in unsere große Küche stellen. Auf den Anblick freue ich mich schon wie verrückt!

Vor allem das teils zeitaufwendige Käsen hat es mir außerdem angetan: Mittlerweile habe ich gelernt, wie man Quark, Frischkäse, Kräuterkäse, Camembert und Mozzarella macht. Nachdem ich weiß, wie viel Geduld und Schweiß in so einem richtig guten Stück Käse stecken, werde ich definitiv keine Dumpingpreise mehr für einen Camembert bezahlen.

Auch das Nähen von Kleidung, Arbeiten mit Leder und Schnitzen sind sehr zeitaufwenige Hobbies, die wir nicht missen möchten. Das Schöne ist, dass uns die Ideen und Bedürfnisse so schnell nicht ausgehen werden: Daniel braucht im Moment dringend eine neue Hose und ich eine kleine Tasche. Die Kuksa/Guksi muss nach wie vor trocknen.

Zu guter Letzt darf ich natürlich die leckeren Alkoholika nicht vergessen – zur Zeit reifen ein Fichtenwipfellikör und ein Löwenzahnwein in der Küche. Auch Bier brauen wir regelmäßig und planen, die Brauerei noch ursprünglicher und mit feineren Geschmacksnerven zu betreiben.

 

Was fehlt? Was kommt noch?

Leider müssen wir natürlich auch feststellen, dass jeder Tag zu kurz und unsere Zeit begrenzt ist. Wir arbeiten nach wie vor Vollzeit und widmen uns der Selbstversorgung am Abend oder am Wochenende. Wobei uns auch die bezahlte Arbeit großen Spaß macht, was sowohl Vorteil als auch Nachteil sein kann :)

Daneben sind es nach wie vor die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Selbstversorgung aufleben lassen, sei es, um Dinge oder Erfahrungen auszutauschen. Diese Selbstversorgerkultur (oder könnte man auch sagen: dieser Trend?) ist hier nicht so stark öffentlich ausgeprägt wie in Deutschland oder den USA, weswegen wir uns nach wie vor über Blogs mit EUCH oder unseren ebenso ambitionierten Freunden und Eltern austauschen. Und was freuen wir uns auf die Berliner Flohmärkte, die wir bald besuchen werden!!

Tja, und was sonst noch auf der To-Do-Liste steht, ist eine ganze Menge! Hier ein paar Stichworte in (fast) chronologischer Reihenfolge:

  • Noch viiel mehr über Wildkräuter und die Natur lernen
  • einen naturnahen, chemiefreien Garten anlegen
  • Bienen halten
  • Hühner halten
  • eine gescheite Milchkammer mit Reiferaum herrichten
  • Schafe und Ziegen halten
  • Eine Brauerei inkl. Reiferaum einrichten
  • Eine Gerberei einrichten

Und mit Sicherheit noch vieles mehr… lasst euch überraschen! ;) Ambitionierte Pläne sind das. Aber mit dem Ziel der freudigen Gelassenheit genieße ich das Leben einfach so, wie es eben gerade ist. Hehe.

 

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