Schwalben willkommen! Auf gute Nachbarschaft

Schwalben haben es nicht leicht mit uns Menschen. Früher waren sie noch Boten des Glücks, die uns vor Feuer, Blitz und Krankheiten schützten. Doch allen Tattoos zum Trotz: Heute wird es eng für die Schwälbchen. Wir sanieren unsere Häuserfassaden so, dass ihre Häuser nicht mehr an unsere passen. Wege werden zubetoniert, sodass Schwalben zu wenig Lehm für ihre Hütten finden. Durch die naturferne Landwirtschaft gehen ihnen Mittag- und Abendessen flöten. Weniger Insekten bedeuten auch weniger Vogelkonzerte. Teilweise werden Schwalbennester auch bewusst zerstört, was nach dem Bundesnaturschutzgesetz sogar eine Straftat ist. Allein innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte haben wir 300 Millionen Vögel wegrationalisiert. Einige Arten haben 80 Prozent ihrer Population eingebüßt. 

Kleine Schwalben mit großem Hunger. Bildquelle: Martin Schemm / pixelio.de

Angesichts dieser traurigen Entwicklung ist die NABU-Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ eine erfrischende Angelegenheit. Der Naturschutzbund zeichnet deutschlandweit Menschen aus, die Schwalbennester an oder in ihren Gebäuden erhalten. Nun ja, wir erhalten jetzt nicht so super aktiv, wir freuen uns einfach nur über die vorhandenen Nester. Was gibt es schöneres, als abends bei einem Glas Wein dem Treiben der Schwälbchen zuzuschauen? :)

Über ein einfaches Online-Formular könnt ihr euch jedenfalls um eine Urkunde samt Plakette für euer „schwalbenfreundliches Haus“ bewerben. Das haben wir auch getan.

Auszeichnung des Naturschutzbundes: Schwalben willkommen! Die benötigten Schrauben und eine Urkunde gab es noch obendrauf.

Wo gehobelt wird, da fallen…

Der herabfallende Kot bei uns in der Durchfahrt stört uns, zumindest derzeit, herzlich wenig. Alle paar Wochen kehren wir ihn weg und nutzen ihn als Kompost-Zugabe. Es geht aber auch anders: Meine Großeltern breiten Papiersäcke unter den Nestern aus, die bei Bedarf einfach ausgewechselt werden können. 30cm breite Bretter können ebenfalls einen halben Meter unter den Nestern angebracht werden, um den Kot aufzufangen. Problem gelöst.

Mehlschwalbe oder Rauchschwalbe?

Mehlschwalben haben ein schwarzes Haupt, aber ihr Hals ist weiß wie, naja, Mehl. Der tief gekerbte Schwanz besitzt im Gegensatz zur Rauchschwalbe keine langen Spieße. Sie sind Architekten schöner Lehmnester an Felsen, Klippen und unter Dachvorsprüngen. Das gilt vor allem für Orte in der Nähe von Gewässern, die auch an kalten Tagen noch genug Insekten bieten. Leibspeisen sind u.a. Mücken, Fliegen, Schmetterlinge und Eintagsfliegen. Vor allem für ihren Mückenhunger bin ich ihnen auf unserem Hof mehr als dankbar. Und natürlich für ihren Gesang – den könnt ihr euch auf der Seite des Nabu anhören.

Rauchschwalben heißen so, weil sie früher auch an offenen Kaminen oder Rauchfängen brüteten. Im Gegensatz zu ihren Verwandten, den Mehlschwalben, bevorzugen Rauchschwalben außerdem Kuhställe und Scheunen. Von weitem gut zu erkennen ist sie durch die braunrote Kehle und Stirn. Der Schwanz hat lange Spieße, länger als die der Mehlschwalbe.

Bildquelle: tt / pixelio.de

Nachbarschaftshilfe und Bauförderung

Helfen könnt ihr den sympathischen Sängern übrigens nicht nur durch schlichte Toleranz, sondern auch aktiv durch das Anbringen von fertigen Nisthilfen. Eine Bauanleitung findet ihr hier.

Auch die Installation eines Schwalbenhauses hilft den kleinen Sängern ungemein. Schwalbenhäuser sehen aus wie überdachte Türmchen, die den Schwalben einen Dachvorsprung anbieten. Da das Schwalbenhaus frei steht, werden Häuserfassaden nicht beschmutzt. Je nach Standort kann der Kot zum Beispiel direkt den Garten düngen. Auf schwalbenhaus.de könnt ihr euch unter anderem inspirieren lassen. Ich denke auch schon drüber nach… auf gute Nachbarschaft.

 

Artikelbild: Martin Schemm  / pixelio.de

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