Reingebuttert: Butter herstellen in 20 Minuten

Aus irgendeinem Grund habe ich bisher diverse Milchprodukte wie Joghurt, Käse, Quark, Frischkäse und Mozzarella hergestellt, aber noch keine Butter. Ich habe keine Ahnung warum es mit der Butter so lange gedauert hat. Ihre Herstellung geht denkbar schnell und einfach, und wir essen sie täglich. Butter ist für uns ein wichtiges Nahrungsmittel.

Wie wenig der Kaufpreis den Wert der Butter widerspiegelt, konnte man im Jahr 2011 sehen, als in Norwegen (auch noch kurz vor Weihnachten!) die nationale „Butterkrise“ ausgerufen wurde. Bis zu 44 Euro wurde auf dem Schwarzmarkt für ein Kilo importierte Butter verlangt. Und bezahlt! Das sagte mir zwei Sachen. Erstens: das alte Wissen um die Herstellung von Nahrungs- und Hausmitteln ist auch in der heutigen Zeit eine gute Sache und sollte bewahrt bleiben. Zweitens: Es war merkwürdig, dass die Butterregale in den Supermärkten zwar leer standen, das Sahneregal aber teils gefüllt blieb. Offensichtlich wussten also nur noch wenige Stadtbewohner, wie einfach der Schritt von der Sahne zur Butter ist.

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Gottlieb Schäffer: Häusliche Arbeit auf dem Lande. Runkeln zerschneiden, Hühner rupfen, buttern. [Public domain], via Wikimedia Commons
Dabei hätte es gereicht, einfach mal den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und bei den Eltern oder Großeltern anzurufen. Das habe ich heute getan und eine sehr schöne, geschichtsträchtige Beschreibung der Herstellung genießen dürfen. Meine Großeltern wissen so unheimlich viel zu solchen Themen – zuletzt haben sie mir gezeigt, wie man Seile dreht und Brennesseln erntet und trocknet. Natürlich wussten sie auch über Butter Bescheid, die sie damals in hübsche Formen gepresst und dann verkauft haben.

Jetzt zur Tat

Nun aber endlich zur Anleitung. Die passt in drei Worte: Glas, schütteln, auswaschen. Man kann Butter nicht nur schüttelnd, sondern auch mixend, schlagend oder stampfend herstellen, zum Beispiel mit einem Kartoffelstampfer. Wir haben uns für den ersten Versuch für’s Glas entschieden. Die Minutenangaben unter den Bildern sind nicht ganz exakt zu nehmen, weil ich zwischendurch Fotos gemacht und zusammen mit Daniel die Konsistenz bewundert habe :) So ungefähr kommen sie aber hin. Und die fertige Butter lässt sich prima einfrieren.

Sahne
Unsere Schüttelsahne war pasteurisiert. Ich weiß, ganz optimal ist das nicht, aber wir haben nach wie vor keinen Zugang zu ordentlicher Kuhmilch. Daher musste für das Experiment wieder ein Gang in den Supermarkt reichen. Die Sahne (300 ml) hatte einen Fettgehalt von 38%. Das ist ein ganz guter Wert zum Buttern. Also ab in ein verschließbares Glas und losgeschüttelt!
10Minuten
Die ersten 10 Minuten schüttelt es sich recht lässig. Es ist noch genug Kraft in den Armen und die Konsistenz sorgt dafür, dass es gut wackelt im Glas. In diesem Zeitraum passiert allerdings auch am wenigsten, die Sahne ist danach dickflüssiger.
12Minuten
Dann geht alles ratz-batz: nach weiteren 2 Minuten Schütteln hat sich eine Art Schlagsahne gebildet.
15Minuten
Insgesamt 15 Minuten später: die Sahne wird „krümelig“ und Molke beginnt sich abzusondern.
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Hier noch einmal liegend (auch nach 15 Minuten). Es schüttelt sich nun etwas schwerer, weil die Masse träger wird.
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Nach 17 Minuten dann der ersehnte „Bruch“: die Fett-Moleküle haben sich mehr oder minder schlagartig verbunden und von der Molke getrennt. Zeit, die Molke durch ein Sieb abzugießen.
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Die Molke kann natürlich aufgefangen und weiterverarbeitet werden. Bei uns hat sich gezeigt, dass sie dann doch nur rumsteht und vergammelt, weil sie niemand wirklich mag. Drum hat sie ihr Ende dieses Mal doch nur in der Spüle gefunden.
20Minuten
Danach haben wir die Butter wieder ins Glas getan und weiter geschüttelt. Viel ist allerdings nicht mehr passiert. Erst waren wir unsicher, ob die Konsistenz nicht zu weich war und ob das Experiment damit gescheitert ist. Hier kommt der routinierte Tipp meiner Oma: „Kein Problem, einfach kurz kalt stellen. Die wird fest.“ Stimmt.
Fertig
Aus 300ml Sahne haben wir 72g Butter gewonnen. Bevor sie im Kühlschrank fest geworden ist, sollte sie noch einmal mit sehr kaltem Wasser gewaschen werden. Das spült die verbleibende Molke heraus und macht die Butter damit länger haltbar. Außerdem können Salz oder Kräuter untergemischt werden. Danach kann sie wieder zu einem Klumpen gepresst werden. Unsere Butter hat keine weiteren Zutaten, weil wir sie gern mit gekaufter Butter vergleichen wollten.
Butterform-Holz-gruppiert
Auch heute noch können Butterformen gekauft werden. Da bin ich natürlich schon wieder stark am Überlegen… :) Die meiner Großeltern hatten wohl die Form von Kleeblättern. Bildquelle: Hörmed (Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0), via Wikimedia Commons
Fertig_2
Das Ergebnis im Test: Butter, die stinknormal riecht, stinknormal aussieht, sehr gut schmeckt und sich normal streichen lässt. Wir sind sehr zufrieden. Butterkrise ade!

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