Praktikum in der Lämmerstube

Es hat uns wieder die Lust gepackt, unsere lieben Freunde auf ihrem kleinen Bauernhof am Hardangerfjord zu besuchen. Der Zeitpunkt war perfekt, denn der Frühling hat Landschaft und Tiere endlich fest im Griff. Das kleine Dorf hatte sich inzwischen in eine einzige tierische Kinderstube verwandelt. Neben den Kühen, Pferden und Hühnern waren es natürlich wieder einmal die Schafe, die uns besonders fasziniert haben. Allein schon der Geruch – herrlich! In einem Mini-Praktikum konnten wir lernen, wie die Lämmer der Norwegischen Wildschafrasse zur Welt kommen, wie die Milchproduktion der Muttertiere kontrolliert wird und wie die neuen Erdenbürger dokumentiert und mit Ohrmarken versehen werden.

Die Reise zu Kristian und Signe ist im Frühling selbst schon eine Wucht, denn sie führt an blühenden Apfelplantagen am wunderschönen Hardangerfjord entlang. Mit dem passiven Genuss war es dann aber auch schnell vorbei. Kaum waren wir auf dem Hof angekommen, wurden wir in Arbeitskluft gesteckt. Es wurden jeden Moment weitere Lämmer erwartet. Ein schöneres Ankommen gibt’s nicht! Obwohl die Wildschafe ihre Lämmer auf dem Hof hauptsächlich ohne aktive menschliche Hilfe zur Welt bringen, wurde regelmäßig das Wohl aller Lämmer kontrolliert. Während unseres Besuches sind dann tatsächlich zwei quietschfidele Lämmchen geboren worden, und ein paar Plazentas auf der Weide haben erst für das richtige Kinderstuben-Feeling gesorgt :)

Möglichst bald nach der Geburt mussten Signe und Kristian testen, ob die Mutterschafe Milch produzieren. Tun sie das nicht oder sitzt ein Pfropf in der Zitze, kann das zu schmerzhaften Entzündungen führen. Deshalb hieß es: rauf aufs Schaf und festhalten, während eine zweite Person die Zitzen untersucht. Da haben wir nur zugeschaut, was in Anbetracht der recht mächtigen und noch aufgeregten Tiere aber auch schon großes Kino war…

Solche Lämmer, die circa zwei Tage alt waren, bekamen Ohrmarken. Vor dem Setzen der Marken hatte ich ein wenig Bammel, weil ich mit einem Widerstand und Meckern oder gar Schreien der Lämmer gerechnet hatte. Erstaunlicher Weise scheint das Piercen der Lämmerohren aber „nur“ einen kurzen Schreck auszulösen. Okay, wenn ich mich ans Stechen meiner eigenen Ohrlöcher erinnere, war das eigentlich auch kein allzu brutales Erlebnis. Trotzdem gab es eine große Erleichterung auf beiden Seiten! Das Stechen funktioniert mit Hilfe einer Art Zange, in die vorher die Ohrmarken gelegt wurden. Eigentlich sehr einfach.

Ohrmarken
Die Zange zum Setzen der Ohrmarken war recht groß und schwer, vom Prinzip her aber einfach zu bedienen. Außerdem habe ich ein paar Blicke auf den Block geworfen um mir abzugucken, wie genau die Herde und ihre Neuzugänge dokumentiert werden.
Lamm1
Es war erstaunlich, wie ruhig und verschmust die Lämmer auf dem Arm waren. Der Herzschlag war deutlich zu spüren, hatte sich aber schon nach ein paar Sekunden beruhigt.
Lamm2
Die Muttertiere haben uns geduldet, die Situation aber gut beobachtet.
Frisch_geboren
Noch ganz nass und nur wenige Minuten alt

Nach getaner Arbeit war es Zeit, gemütlich Kaffee auf der Terrasse zu schlürfen. Ein Rundgang durch’s Dorf und zu den Kinderstuben der anderen Höfe durfte natürlich auch nicht fehlen:

Terrassenblick
Bei dem Ausblick schmecken Kaffee und Hefezopf doppelt so gut.
Kälber
Auf dem Nachbarhof haben die ca. zwei Wochen alten Kälber den Schatten genossen
Fohlen
Das einzige Fohlen des Dorfes

Und natürlich habe ich mich am Ende riesig gefreut, eine Tüte Wolle mit nach Hause nehmen zu können. Es wird eine Weile dauern bis ich die entsprechend vorbereitet habe (zumal ich noch nicht fertig mit meiner Angora-Wolle bin). Aber genau diese dreckige Arbeit ist das letzte Puzzle-Teilchen, das mir für meine Serie „Vom Schaf zum Leibchen“ noch fehlt (nachdem das Einsammeln der Wolle im letzten Jahr nicht mehr in den Zeitplan gepasst hatte). Endlich!

Wolle
Wolle, Wolle und noch mehr Wolle

 

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