Norwegian Wood: Chopping, stacking, and drying wood the Scandinavian way

Noch ist er da, der Winter, aber in ein paar Wochen schon warten wir alle auf die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings. Es ist die perfekte Zeit, in den frostigen Wald zu ziehen und an das Brennholz des nächsten Winters zu denken. Das und vieles mehr habe ich in Lars Myttings Buch „Norwegian Wood“ gelernt. Und habe gestaunt, dass ein Sachbuch über Brennholz so sinnlich, unterhaltsam und mitreißend geschrieben sein kann. Es ist ganz klar meine Buchempfehlung dieses Winters.

Bevor er dieses Buch geschrieben hat, hat Mytting zwei Romane verfasst. Das merkt man auf jeder Seite, wo neben interessanten Fakten, Anekdoten, Humor und, jawohl, Sinnlichkeit nicht viel Platz für einen erhobenen Zeigefinger und humorlose Rechthaberei ist (gerade das nervt mich an deutschen Sachbüchern immer wieder). Alle paar Seiten hatte ich einen  Aha-Effekt, weshalb das Buch nun mit vielen bunten Merkzetteln verziert auf dem Wohnzimmertisch liegt.

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Mytting hält sich zwar lieber an skandinavische Baumarten und das nordische Klima, vergisst den Rest der Welt aber trotzdem nicht. Das Buch ist daher etwas für jeden, der mit Holz heizt oder heizen möchte.

Aber erst einmal ein paar Worte zum Buchaufbau: Mytting ist nicht nur fasziniert vom Holz selbst, sondern auch von seiner Entstehung, seiner Verarbeitung, seiner Verbrennung und den Regionen, in denen es verheizt wird. Deshalb gliedert er sein Buch in verschiedene Teile:

  1. Die Kälte (The cold)
  2. Der Wald (The forest)
  3. Die Verarbeitungswerkzeuge (The tools)
  4. Der Hackklotz (The chopping block)
  5. Der Holzstapel (The woodpile)
  6. Die Holztrocknung (The seasoning)
  7. Der Ofen (The stove)
  8. Das Feuer (The fire)

 

Obwohl wir seit einigen Jahren jeden Winter mit Feuer heizen, gab es in wirklich jedem Kapitel viel zu lernen. Zum Beispiel wusste ich gar nicht, dass in jedem Haus, das in Norwegen eine gewisse Größe überschreitet, eine alternative Heizquelle gesetzlich verpflichtend ist. In den meisten Fällen ist das natürlich Brennholz und irgendeine Form von Ofen. Ob In Norwegen oder jedem anderen Land, eine zentrale Frage ist immer wieder die, ob das Heizen mit Holz wirklich so umweltschonend ist wie man immer hört. Schließlich verheizt man da ganze Bäume? Jedes Kilo Brennholz setzt bis zu zwei Kilo CO2 frei. Dass man Brennholz trotzdem als „grüne Energie“ betrachtet liegt daran, dass Bäume im Laufe ihres Lebens eine Menge CO2 speichern. Und irgendwann geben sie es auch wieder ab, egal auf welche Art und Weise. Ob man sie sterben und verrotten lässt oder verbrennt macht dabei keinen Unterschied. Vorausgesetzt, man heizt richtig, das heißt rauchfrei.

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Wir haben mehrere Äxte, aber mit der „Gränsfors Bruk Sweden“ flutscht (spaltet) es derzeit am besten.

Andere Dinge, die das Buch auf wunderbar einfache Weise erklärt, sind: Warum stimmt es nicht, dass mache Holzsorten „besser“ brennen als andere? Wie viel Energie bekomme ich aus einem Kilo Brennholz heraus? Welches Holz produziert nach welcher Lagerung wie viel Energie? Wie heize ich umweltschonend und effizient, und welche Heizmethode ist besonders umweltschädlich und verschwenderisch? Wie sorge ich dafür, dass das Holz besonders gut und schnell trocknet? Woran erkenne ich trockenes Holz? Warum sind schon die ersten Tage des Lagerns entscheidend für den Rest des Brennholzlebens? Wann sollte der Baum gefällt werden, und was hat das mit meinem Feuer zu tun? Brennt altes Brennholz wirklich schlechter als weniger altes?

Die letzte Frage brannte mir ziemlich auf den Nägeln, denn auf unserem Bauernhof steht quasi in jeder zweiten Ecke ein Holzstapel. Unser Vorgänger hat den Wert von genug gutem Brennholz eindeutig gekannt. Bei unserer letzten Besichtigung gab es allerdings so viel zu beurteilen, dass ich mir das Brennholz nicht wirklich aus der Nähe angeschaut habe. Das wird sich im März ändern, wenn wir wieder dort sind (dann wird es sicherlich auch den ein oder anderen Artikel mit weiteren Fotos geben).

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Überall lag bei der Besichtigung Brennholz herum. Mal chaotisch…

 

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… mal ordentlich gestapelt…
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… aber immer gut abgedeckt. Und nee, der Hof ist nicht rosa, das sind nur die komischen Lichtverhältnisse auf dem Bild :)

All das Wissen ist in nette Anekdoten und Geschichten eingefasst. So ist es zum Beispiel nicht nur im deutschen kein Zufall, dass die Begriffe für den Baum „Buche“ und das Buch so eng miteinander verknüpft sind. Ich wusste auch nicht, dass manche Bäume nach Honig duften, während sie trocknen. Mytting verrät außerdem, wie im Vatikan der weiße und schwarze Rauch hergestellt werden (und warum es trotzdem ab und zu schief geht).

Viele von uns haben mittlerweile einen modernen Ofen oder Kamin im Haus stehen, und in diesen Öfen ist es besser, das Feuer von oben nach unten anzuzünden. Das habe ich bisher nicht gemacht. Ich habe immer ein kleines Feuer gestartet, um dann die großen Holzscheite oben drauf zu legen. Daniel hatte schon früher mal erwähnt dass das nicht sehr klug ist, aber jetzt erst habe ich verstanden warum: was da hinter der Glastür brennt, ist zu Anfang nicht das Holz. Es sind die Gase, die aus dem Holz aufsteigen. Erst wenn alle Restflüssigkeit im Holz „verkocht“ und alle Gase verbrannt sind, ist es das Holz selbst, was in Flammen aufgeht. Gase sind leichter als Luft und steigen nach oben. Unverbrannte Gase bedeuten demnach, dass ungenutzte Energie durch den Schornstein aufsteigt. Deshalb ist es sinnvoller, ein Feuer „von oben“ anzuzünden. Dafür bereitet man ein Bett aus Holzscheiten, auf die man kleinere und schneller entzündliche Holzstücke legt. Wieder was gelernt.

 

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