Mundraub – Obst jenseits von Garten und Supermarkt

Habt ihr Lust auf heimisches Obst, das nicht aus dem Supermarkt kommt? Wie schön wäre da ein eigener Garten, aber leider hat nicht jeder Zugang zu einem Garten oder die Zeit ihn zu pflegen. Mundraub ist eine Website, die euch helfen kann, trotzdem an heimisches Obst zu gelangen. Marie und ich hatten schon vor einiger Zeit von der Seite gehört, haben sie dann aber wieder aus den Augen verloren. Jetzt habe ich sie wiedergefunden und finde die Idee so gut, dass ich euch davon berichten möchte.

Die Website Mundraub.org registriert die Obstbestände im öffentlichen Raum und stellt sie als Webkarte zur Verfügung, so dass jeder das reife Obst ernten kann. Dabei ist das Projekt auf seine Benutzer angewiesen, die die Obstbestände in ihrer Umgebung in die Webkarte eintragen. Mittlerweile hat Mundraub über 300.000 Benutzer und der registrierte Bestand kann sich sehen lassen. Die Karte ist allen Besuchern der Seite zugänglich, aber um selbst Obstbäume zu registrieren muss man sich anmelden. Bei der Kartierung eines Obstbestandes ist es möglich, noch eine kurze Beschreibung anzufügen, um eifrigen Sammlern zusätzliche Informationen zu geben, wie z.B. die Art des Obstes oder ob man eine Leiter braucht. Es werden aber nicht nur Obstbäume kartiert. Weitere Kategorien gibt es für Nussbäume, Obststräucher und Kräuter.

apple-1078692_1920Webkarten begeistern mich immer, und so habe ich mir die Mundraubkarte gleich etwas genauer angeschaut. Sehr deutlich ist die Ungleichverteilung der Benutzer und demensprechend der Erfassungen zu erkennen. In den Ballungsräumen sind naturgemäß mehr Nutzer angemeldet und somit die Dichte der registrierten Lokalitäten viel höher. In Berlin sind z.B. knapp 2000 Lokalitäten erfasst, während in Brandenburg nur sporadisch Fundorte auftauchen. Ein kurzer Blick in unsere neue und alte Wahlheimat, den Elbe-Elster-Kreis, zeigte mir, dass hier noch einige Fundorte fehlen. Hier werde ich nach unserem Umzug im Herbst sicherlich nachbessern und einige mir bekannte oder vielleicht auch neuentdeckte Obstbestände registrieren.

Bei der Registrierung von neuen Beständen legt Mundraub allerdings klare Regel fest. Die wichtigste ist, dass keine Obstbestände im privaten Besitz registriert werden dürfen. Denn eins ist klar, wer Obst von privaten Grundstücken für den eigenen Verzehr pflückt begeht Diebstahl. Der namensgebende Mundraub wird zwar nicht strafrechtlich verfolgt, allerdings handelt es sich hierbei auch nur um eine kleine Menge für den direkten Verzehr vor Ort, nicht etwa kiloweise Obst für die Verpflegung der Familie durch den Winter. Hier sind die Benutzer von Mundraub in der Verantwortung, die Besitzverhältnisse vor der Registrierung, spätestens aber vor dem Sammeln zu klären. Diese Möglichkeit des Missbrauchs von Mundraub wird ab und an als Kritik gegen die Seite vorgebracht. Sie sollte nicht abgewertet werden, allerdings sollte sie auch nicht ihren großen positiven Wert untergraben. Mundraub hilft Menschen dabei, sich mit heimischem Obst zu versorgen, und erhöht die Wertschätzung und das Bewusstsein für lokale Obstbaumbestände.

Natürlich gilt bei Mundraub, wie bei allem Sammeln in der Natur, die allgemeine Verhaltensregel, dass man nur so viel sammelt, wie man auch selbst verarbeiten kann und verbrauchen wird. Wäre schon schade, wenn das tolle heimische Obst im Müll landet anstatt im Magen eines gleichgesinnten Mundräubers.

Mundraub.org finde nicht nur ich unterstützenswert, sondern eine ganze Reihe von öffentlichen und privaten Institutionen. Viele Partner untersützen Mundraub mit ihrer zum Teil ehrenamtlichen Arbeit. Eine Übersicht über sie findet ihr hier. Eine prominente Unterstützerin ist die Bundesforschungsministerin Johanna Wanka, die dem Projekt vor Kurzem eine beträchtliche Geldsumme gespendet hat. Auch viele Umweltverbände loben Mundraub im regelmäßigen Abstand für ihre Arbeit, wie z.B. der BUND.

Da unserer eigener Obstgarten sicherlich ein paar Jahre brauchen wird, um erntereif zu werden, habe ich große Lust, nach unserem Umzug im Herbst die Region als Mundräuber unsicher zu machen. Es wollen nicht nur ein paar schöne Äpfel für den ersten Cider gesammelt, sondern auch die Augen offen gehalten werden, nach Obstbäumen, die noch nicht auf Mundraub registriert sind.

In diesem Sinne, auf auf ihr Räuber! Har Har Har

 

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