Mütze stricken für Anfänger

Meinen letzten Artikel zum Stricken eines Ponchos für Anfänger wollte ich klar, einfach und kurz halten. Ich mag es nicht, wenn enthusiastischen Einsteigern durch Fachlatein und Informationsfluten der Wind der Neugierde aus den Segeln genommen wird. Diejenigen unter euch, die Lust haben, etwas fortgeschrittener zu stricken, können immernoch in ein oder zwei gute Bücher investieren. Bald ist ja Weihnachten, und in meinem letzten Artikel zum Stricken habe ich euch zwei sehr gute Bücher empfohlen.

Auf dieselbe kurze und knappe Weise möchte ich heute loswerden, wie man eine einfache Mütze strickt. Daniel hatte seine verloren, und so wurde schnell diese hier ins Mützenleben gerufen:

Einfaches Käppschn
Alpakaflausch mit Gangstercharme

Im Gegensatz zum Poncho müsst ihr dieses Mal etwas mehr können, nämlich:

  • Stricken mit dem Nadelspiel
  • Maschen aufnehmen
  • Linke Maschen stricken
  • Rechte Maschen stricken
  • Maschen überzogen zusammenstricken (siehe unten).

Stricken mit dem Nadelspiel

Das Stricken mit dem Nadelspiel sieht leider verwirrender aus als es tatsächlich ist. Genaugenommen strickt es sich nicht viel anders als mit Rundnadeln, hat aber den Vorteil, dass auch kleinere Runden gestrickt werden können, als es die Rundnadeln oft hergeben. Wollt ihr euch als Neulinge an das Stricken mit einem Nadelspiel heranwagen, ist EliZZZa13 auf Youtube ein ganz heißer Tipp. Diese Frau hat mir schon häufiger aus der Woll-Verwirrung geholfen, und ein vernünftiges Video kann mehr erklären als tausend Blogeinträge.

Wie viele Maschen brauche ich?

Am Anfang steht wie immer die Frage: wie viele Maschen brauche ich denn überhaupt für meine Mütze? Hier helfen wie so oft ein Maßband und das Einmaleins. Nehmen wir mal Daniels Rübe als Beispiel. Daniels Kopfumfang ist 61 cm. Nun kann ich zwei Wege wählen, meine benötigte Maschenanzahl zu ermitteln:

a) Die Etikett-Gutgläubigkeit

Auf so gut wie jedem Wollknäul, das ihr kauft, steht, wie viele Maschen und Reihen mit einer bestimmten Nadelstärke (das ist die Dicke der Nadeln) ein Quadrat von 10 x 10 Zentimetern ergeben.

Mein Etikett versicherte mir, dass 14 Maschen, wenn man sie mit einer Nadelstärke von 5 bis 6 strickt, 10 Zentimeter ergeben. Hier kommt das Einmaleins ins Spiel: Wenn 14 Maschen 10 Zentimeter ergeben und Daniels Kopf einen Umfang von 61 Zentimetern hat, dann muss ich also 61 durch 10 rechnen. Das sind 6,1. Und 14 Maschen x 6.1 sind 85 Maschen. Ich muss also 85 Maschen auf meine Nadeln aufnehmen.

b) Vertraue nur dir selbst

Wir alle stricken unterschiedlich. Manche Leute stricken locker und lässig – ich stricke ziemlich stramm, vor allem mit dem Nadelspiel. Wer feste strickt, der hat am Ende eventuell kleinere Maschen. Deswegen ist es gut, wenn ihr euch erst eine sogenannte Maschenprobe (siehe Bild) anfertigt. Mit einer Maschenprobe könnt ihr sehen, wie viele Maschen ihr mit eurem Strickstil benötigt, um 10 Zentimeter zu erreichen. Was wissen die in der Wollfabrik schon mit ihren Durchschnittswerten.

Ich habe so eine kleine Box mit Maschenproben, die ich aufhebe, um sie später nicht nochmal anlegen zu müssen, wenn ich dieselbe Wolle verwende. An meinen Maschenproben klemmt auch gleich das Etikett der Wolle, damit ich nicht vergesse, um was es geht und welche Nadelstärke für die Wolle empfohlen wurde.

Maschenproben - gerne auch als Putzlappen zu missbrauchen

Wie strickt man nun diese Maschenproben? Strickt hierfür ein Quadrat von circa 15 x 15 Zentimetern, undzwar in dem Muster, in dem ihr später stricken wollt. Wenn ihr fertig seid, zählt und messt ihr nach, wie viele Maschen ihr für 10 Zentimeter verstrickt habt. Mit dieser Zahl könnt ihr euch wieder in die Welt der Mathematik stürzen – die Rechnung seht ihr oben.

Warum beide Wege nicht immer die Lösung sind

Für meine Mütze hätte ich also theoretisch 85 Maschen aufnehmen sollen. Nun wollte ich aber im Rippenmuster stricken, also 2 Maschen rechts und 2 Maschen links, immer im Wechsel. Bei einem solchen Muster rollt sich die Mütze nicht ein. Dafür ziehen sich die Rippen schön zusammen, sodass sich die Mütze eng an den Kopf anschmiegt. Logischer Weise muss ich bei so einem Muster eine gerade Anzahl von Maschen aufnehmen, damit das Muster ringsherum aufgeht. Deshalb habe ich trotz aller mathematischen Weisheiten nur 84 Maschen aufgenommen.

Nun aber los: wie man eine Mütze strickt

Nehmt eure gerade Anzahl von Maschen auf und verteilt sie auf eure vier Nadeln. Strickt jetzt immer 2 Maschen rechts, 2 Maschen links im Wechsel, undzwar ganze 20 Zentimeter lang. Damit ist die Mütze lang genug, um das Bündchen ein paar Zentimeter umzuschlagen wie auf dem zweiten Foto.

Habt ihr die 20 Zentimeter hinter euch, strickt ihr die zwei rechten Maschen ganz normal. Die beiden linken Maschen strickt ihr zu einer linken Masche zusammen. Stecht dafür einfach in beide linke Maschen ein und tut so, als wäre es nur eine Masche. Wenn ihr eine Runde rum seid, strickt ihr alles so weiter wie es auf eurer linken Nadel erscheint, also immer 2 Maschen rechts und 1 Masche links. Tut das 2 Zentimeter lang.

Jetzt sind die rechten Maschen fällig: strickt auch diese zu einer Masche zusammen. Ab jetzt strickt ihr also nur noch 1 Masche rechts und 1 Masche links im Wechsel, und auch das strickt ihr für 2 Zentimeter weiter.

Nun geht es endlich an die Spitze. Dafür muss man Maschen „überzogen zusammenstricken“. Das bedeutet, dass ihr zunächst eine Masche, ohne sie zu stricken, von der linken auf die rechte Nadel hebt. Die darauffolgende Masche strickt ihr ganz normal. Nun wird die erste, „ungestrickte“ Masche über die gestrickte Masche gezogen. Zieht die ungestrickte Masche gleich mit über die Spitze der rechten Nadel und lasst sie „runterfallen“.

Und genau das muss nun in der vorletzten Runde getan werden: strickt immer zwei Maschen überzogen zusammen. So reduziert ihr die Maschenanzahl auf die Hälfte. In der darauffolgenden letzten Runde tut ihr das nochmal, es werden also immer weniger Maschen.

Jetzt dürftet ihr nicht mehr viele Maschen auf euren Nadeln haben. Schnippelt den Faden ab, zieht ihn durch eine Nadel und führt die Nadel durch die verbleibenden Maschen. So vernäht ihr die Maschen und könnt die Mütze oben zusammenziehen, ohne dass ein Loch verbleibt. Vernäht den überhängenden Faden, indem ihr ihn innen in der Mütze durch einige Maschen zieht und eventuell noch einen kleinen Knoten macht.

Jeder Kopf ist anders: regelmäßiges Anprobieren

Schon während des Strickens ist es gut, die Mütze regelmäßig anzuprobieren. Ist euch die Mütze doch mal zu groß oder zu klein geraten, wäre es doch schade, wenn ihr das erst bemerkt, wenn ihr schon zig Stunden in euer Strickwerk investiert habt. Um zu verhindern, dass eure Maschen bei der Anprobe von den Nadeln rutschen, könnt ihr eure Maschen für eine Runde auf eine größere Rundstricknadel stricken. So lässt sich alles gut über den Kopf ziehen. Danach könnt ihr die Maschen wieder häppchenweise auf eure vier Nadeln stricken.

Gutes Gelingen!

 

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