Müllblind?

Heute mal ein knistriges Thema. Das ist auf den ersten Blick eher mittelsexy, auf den zweiten aber dramatisch dringend und, ich übertreibe nicht, lebensbedrohlich. Es betrifft die Meere, Pflanzen, Tiere und uns selbst: Plastikmüll. Zum Glück kommt die Lösung dann auch gleich ziemlich sexy um die Ecke.

Das Problem? Es wiegt 150 Millionen Tonnen und schwimmt quasi neben uns

80 Prozent unseres Kunststoffmülls landen im Meer (Quelle). Wir missbrauchen Ozeane als unsere Plastikendlager (noch eine Quelle). Der Kunststoffmüll wird nicht, wie ich immer gehofft hatte, vollständig recycelt und in etwas schönes Neues verwandelt. Wäre ja auch zu schön gewesen. Insgesamt sind es mindestens 150 Millionen Tonnen Müll, die noch einige Jahrhunderte in den Meeren herumtreiben. Unsere Enkel und Urenkel werden noch unseren Plastikmüll aus den Meeren fischen dürfen.

Es sei denn, der Müll wurde vorher gefressen: manche Tiere fressen unfreiwillig hauptsächlich Plastik und krepieren daran. Hier könnt ihr schauen wie es im Magen einer Meeresschildkröte aussieht, die zu 74% Plastik gegessen hat.

„400 Jahre Halbwertzeit“: Diese Flasche benötigt 400 Jahre um sich aufzulösen. Quelle: uschi dreiucker / pixelio.de

Weil es so unglaublich viel zu diesem Thema zu sagen gibt, gibt es gute Blogs, Filme und Organisationen und wunderbare Projekte. Eines davon, das OCEANCLEANUP Projekt, haben wir schon auf diesem Blog vorgestellt. Alle Initiativen wollen natürlich auch dazu motivieren, weniger Plastik zu nutzen und zu kaufen.

Das ist recht einfach, aber aus irgendeinem verrückten Grund ist das Thema bisher einfach nicht in mein Bewusstsein vorgedrungen. Manche sprechen von „Müllblindheit“, und ich finde diesen Begriff gar nicht mal so unpassend.

Das Weglassen von Plastik führt mich zu meiner Lieblingsfrage auf diesem Blog: wie haben unsere Großeltern das denn früher gemacht?

Meine neue Lieblingsaufgabe ist nun, einfach mal genau zu schauen was ich da eigentlich den ganzen Tag nutze, kaufe, wegwerfe. Natürlich, um es dann möglichst besser zu machen :) Inspirationen gibt es zuhauf in den Weiten des Internets, aber da dies schließlich ein Blog rund um die Selbstversorgung, das Ausprobieren und das Selbermachen ist, will ich auch meine Gedanken und Vorschläge in die Runde werfen:

Küche & Haushalt

Frischhalten von Lebensmitteln: Verpacken tue ich mein Päuskenbrot neuerdings wie Uroma in Bienenwachstüchern (statt beschichtetem Butterbrotpapier oder Frischhaltefolie) und/oder einer Brotdose aus Metall. Das Tuch riecht dezent nach Bienenwachs, der Geruch beeinträchtigt aber nicht den Geschmack des verpackten Lebensmittels. Es fiel mir schwer das zu glauben, aber es ist wirklich so. Für mich eine prima Lösung, bei der ich bleiben werde.

Durch die desinfizierende Wirkung von Bienenwachs sind die Tücher sehr hygienisch und zudem natürlich beschichtet. Wie ihr die Tücher einfach und schnell selbst herstellen könnt erzähle ich euch in einem der nächsten Beiträge.

Neben der Brotbox nehme ich immer eine Flasche mit, gefüllt mit Leitungswasser und Zitrone, Ingwer, Orangen und so weiter. Natürlich gibt es auch fesch designte Glasflaschen zu kaufen, die heißen dann irgendwas mit „Seele“ und kosten ein Vermögen. Die olle Mineralwasserflasche vom Getränkehandel tut es auch :) Oder eine Thermosflasche.

Aufbewahren: Statt Plastikbeutel funktionieren in den allermeisten Fällen auch ein Schraubglas, ein Stoffbeutel oder eine Metalldose.

Einfrieren: Bisher war mir nicht bewusst, dass man problemlos in Gläsern einfrieren kann. Aber Tatsache, stinknormale Gläser gehen auch und springen nicht, so lange man etwas Luft darin lässt, damit die Masse sich bei Kälte ausdehnen kann. Brötchen, Brot und Co lassen sich direkt in einer Papiertüte oder, ganz ohne Müll, im Stoffbeutel einfrieren. Einfach und gut :)

Keine Sprünge, keine Scherben – funktioniert wunderbar.

Einkaufen: Zum Geburtstag habe ich mir von Daniel solche Netzbeutel für Obst und Gemüse gewünscht, die glücklicher Weise zunehmend populär werden. Wir hatten noch so viel Tüll und Fliegengitter im Haus, das dafür verwendet werden konnte. Sicher ist das auch Plastik, aber da es nun einmal da war, konnte es ja für etwas Sinnvolles, Dauerhaftes genutzt werden. Meine erste Kauferfahrung damit: gerade weil wir auf dem Land leben, hätte ich doch wenigstens mit einem fragenden Blick oder einer hochgezogenen Augenbraue der Kassiererin gerechnet. Ich war gewappnet, oha! Und dann passierte… nix. Die Frau hat nicht mal gezuckt. Na toll.

Tägliche Begleiter

Klar, überhaupt bietet sich zum Einkaufen ein Stoffbeutel oder Korb an. Ich schluppe immer mit einem schwarzen Stoffkorb durch die Gegend und finde das ziemlich praktisch.

Häufig gibt es auch beim Einkauf eine plastikfreie Alternative: der Joghurt im Glas, die Milch in der Glasflasche, das Brot in der Papiertüte, der unverpackte Käse von der Käsetheke.

Herstellen von Lebensmitteln: In einigen besonders hoffnungslosen oder freudbetonten Fällen hilft Selbermachen. Zum Beispiel Ketchup, Joghurt, Quark, oder sogar Geflügel und Fleisch. Das mache ich aber nur, wenn ich Muße und Zeit habe, sonst wird mir das mit meinem jetzigen Alltag zu viel.

Putzen: Es ist fast egal was geputzt werden soll – Natron, Essig und heißes Wasser, mehr braucht es nicht. Das gilt für die Toilette (wobei ich da manchmal noch etwas Salz dazu gebe), den Spiegel, den Herd oder den Wasserkocher. Für die Reinigung der Kaminscheibe kommt noch etwas Holzasche dazu, das funktioniert prima.

Wäschewaschen: Ich bin immer noch begeistert vom Efeu und seiner Waschkraft. Als Weichspüler dient Essig, den man nach dem Trocknen wirklich nicht mehr riecht.

Mein Lieblings-Waschmittel

Bad

Deo-Creme: Hierzu habe ich schon allerhand geschrieben. Den Beitrag findet ihr hier. Einfach und schnell gemacht.

Eincremen: Im Gesicht bin ich noch nicht sehr kompromissbereit, da möchte ich noch bei meiner geliebten Creme bleiben. Für den Rest des Körpers reicht mir, wenn es überhaupt irgendein Schmiermittel sein soll, Öl, das nach dem Duschen oder Baden auf die feuchte Haut aufgetragen wird. Olivenöl, Sesamöl oder Mandelöl funktionieren toll. Honig-Milch Körpercreme hatte ich zwar auch schon einmal gemacht, aber einfaches Öl reicht mir absolut.

Haut & Haar: Nun bin auch ich auf Seife und festes Shampoo umgestiegen. Da wir im schönen Brandenburg wohnen fand ich es besonders nett, die Seife auf sauberkunst.de, einer brandenburgischen Seifenmanufaktur, zu bestellen. Die Manufaktur verschickt ihre Produkte weitgehend plastikfrei.

Babymilde Waschseife, Festes Shampoo, Deo-Creme, Rasierer und Rasierseife, Bürste. Im Bad finde ich Gefallen an Minimalismus. Ob ich auch bei der Mundhygiene auf DIY- und Holzprodukte umsteige weiß ich noch nicht ganz.

Rasieren: Ein bisschen neidisch war ich ja schon immer auf Daniels stilvolles Rasiermesser. Nun darf auch ich mich über ein elegantes Schmuckstück freuen: den Rasierhobel. Dazu inspiriert wurde ich von Zora vom Blog Fool Fashion. Und auch in meinem Fall: kein bisschen geschnitten, ich bin sehr zufrieden und freue mich zugegebener Maßen immer noch über das Vintage-Design im Bad.

Mülltüten aus Zeitung: Im Internet gibt es zwar schöne Anleitungen, wie man aus Zeitungspapier Mülltüten falten kann. Leider sind uns diese Tüten aber viel zu klein. Deshalb spare ich mir das Falten und lege den Bad-Eimer einfach mit zwei Lagen Zeitung aus. Das ist noch schneller gemacht, suppt nicht durch und ist einfach zu leeren.

Fast alle Hygiene- und Kosmetikartikel gibt es mittlerweile in einer plastikfreien Version, zum Teil auch bei den gängigen Drogerien. Ob Wattestäbchen mit Papierschaft, Bambus-Zahnbürste, wiederverwendbare Abschminkpads, Monatshygiene-Produkte aus Stoff und Silikon oder Zahnseide im Glas, es ist alles mach- und kaufbar.

Zahnpasta: Leider reden wir bei Kunststoff nicht nur von der Verpackung, sondern auch vom Inhalt. Shampoos, Duschgele und Zahnpasta enthalten Mikroplastik, das genau viel Schaden anrichtet wie sein großer Bruder, weil es noch leichter in den tierischen und menschlichen Organismus eindringt. Noch nicht getestet habe ich selbstgemachte Zahnpasta, werde das demnächst aber mal angehen. Ich vermute dass ich den Schaum vermissen werde, aber neugierig bin ich doch.

Die Liste ist endlos

Das Prinzip „Plastikfreie Alternative“ kann man auf so gut wie alles anwenden. Statt ständig neue Knete in Plastiktöpfen zu kaufen, können wir die vorhandenen nutzen und selbstgemachte Knete darin aufbewahren. Statt Müsli in Plastikverpackungen zu transportieren gibt es Online-Shops, die Müslimischungen in Papiertüten auf die Reise schicken. Spülbürsten gibt es, auch in einigen bekannten Drogeriemärkten, aus Holz mit austauschbaren Köpfen. Für Städter sind vielleicht Unverpackt-Läden die beste Lösung. Für uns auf dem Land gibt es andere schöne Dinge, zum Beispiel frische Kuhmilch in der guten alten Milchflasche aus Glas.

Grenzen habe ich trotzdem

An manchen Stellen ist die Frage „Plastik oder nicht“ trotzdem nicht die alles entscheidende. Unserem Sohn möchte ich kein geliebtes Spielzeug verwehren, nur weil es aus Plastik ist. Lieber stöbere ich immer mal auf Trödelmärkten und auf eBay, weil ich generell ein Fan gebrauchter Dinge bin und damit ausschließlich positive Erfahrungen gemacht habe. Warum also nicht nutzen, was schon produziert wurde und an anderer Stelle überflüssig geworden ist?

An anderen Stellen bin ich mir nicht sicher, ob die plastikfreie Variante wirklich so viel ökologischer ist. Wenn nun plötzlich alles aus Holz und Bambus ist, kann das gut für die Natur sein? Sollten nicht auch die Produktions- und Transportbedingungen eine Rolle spielen?

Die Reise geht weiter…

Das Thema arbeitet irgendwie in mir weiter, ich werde sicher noch eine Weile damit beschäftigt sein unseren Alltag zu beobachten und zu überlegen, wie wir weniger Plastik in die Tonne hauen können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.