Mokassins nähen

Mokassins sind eine wunderbar kuschelige Sache. Auf diesem Blog sind sie euch schon in historischem Gewand begegnet, als Daniel seine Kleidung aus dem 18. Jahrhundert vorgestellt hat. Die absatzlosen Schlupfschuhe, die ursprünglich von den Indianern Nordamerikas angefertigt wurden, werden noch heute von Waldläufern für ihre einfache Herstellung und ihre Unterstützung eines lautlosen, natürlichen Ganges geschätzt. Für mich sind sie, mit Fell ausgestattet, einfach die perfekten Hausschuhe. Und deshalb möchte ich euch zeigen, wie man Mokassins innerhalb von ein bis zwei Tagen herstellt.

Im Internet gibt es bereits verschiedene Anleitungen und Bildergalerien zur Herstellung von Mokassins, wie zum Beispiel hier, hier und hier. Besonders ans Herz legen möchte ich euch aber die DVD von auf seinem Woodrunners Diary. Auf der DVD beschreibt Le Loup wunderbar klar und langsam, wie man das Schnittmuster anfertigt, wie man für gute Nähte sorgt, wie man Mokassins mit wenigen Mitteln in der Natur herstellen kann und wie man den Schuhen eine feste Sohle verpasst. Eine Übersicht über alle DVDs von Le Loup findet ihr hier.

Benötigte Materialien

Um ein paar Mokassins herzustellen, benötigt ihr die folgenden Materialien:

Von oben links nach unten rechts: Schnittmuster, Maßband, Schere, Fell, Kreidestift, Ledernadel, gewachstes Ledergarn, breites Lederband, Lochzange

Das Schnittmuster

Nachdem das gesagt ist, zeige ich euch, wie ich nach Le Loups Anleitung ein paar Hausschuhe für meine Mama genäht habe. Wie jede Reise begann auch diese mit dem ersten Schritt, nämlich auf ein Stück Papier:

Fußumriss

Der Umriss des am Ende zu beglückenden Fußes ist der Kern eines jeden Mokassinschnittmusters. Legt euren Fußumriss auf ein größeres Blatt Papier und rechnet zu den Zehen sowie zur Ferse 1-2 cm dazu, weil die Schuhe sonst zu eng werden. Das liegt daran, dass eure Nähte und ggf. das Fell in euren Schuhen Platz wegnehmen, den eure Zehen später vermissen könnten. Auch an der Seite der vorderen Fußhälfte werden 1,5 cm dazugerechnet. Die grüne Linie zeigt, wo ihr das Schnittmuster ausschneiden müsst:

Schnittmuster nach Le Loup und Gattin

So ähnlich findet man es auch auf NativeTech.org:

Quelle: http://www.nativetech.org/clothing/moccasin/mocinstr.html

Am Ende schneidet ihr euer Schnittmuster entlang der Kanten aus und legt es auf euer Leder. Ihr könnt natürlich auch jeden anderen widerstandsfähigen Stoff verwenden. Ich nehme gern Schaffell, weil es den Fuß auch im Winter schön warm hält und nicht zu dick zum Nähen ist.

Auf dem obigen Schnittmuster seht ihr zwei kleine, senkrechte Striche in der Mitte unter den Fußumrissen. Diese zwei Striche werden auch im Leder eingeschnitten. Sie sind circa 2 cm lang und ergeben am Ende eine Fersenklappe (so ein Zippel, der später noch umgenäht wird, siehe weiter unten). Ihr könnt dieselbe Fersenklappe im Schnittmuster von Nativetech erkennen – dort sind sie als die Punkte D / D‘ und E /E‘ gekennzeichnet.

Zum Material

Falls ihr, wie ich, Schaffell als Material bevorzugt, solltet ihr eins bedenken: Das Fell an euren Füßen gehört zu einem Lebewesen. Vielleicht hatte das sogar einen Namen. Mit Sicherheit Familie. Und dass es für uns seine Haut und sein Leben gelassen hat, bedeutet keineswegs, dass es nicht ein Recht auf ein gutes, zufriedenes Leben hatte. Ich empfehle also dringend, vor dem Kauf des Felles beim Jäger oder Bauern nachzufragen, wie und wo das Tier gelebt hat.

Gestern war ich bei Ikea und habe dort Schaf- und Kuhfelle gesehen. Ihr könnt euch ausrechnen, wie die Tiere gelebt haben müssen, wenn sie zu einem Spottpreis und zu hunderten in sämtlichen Ikeafilialen dieser Welt angeboten werden.

Übertragen des Schnittmusters und Vorbereiten des Leders

Euer Schnittmuster liegt nun also auf eurem Wunschmaterial – in meinem Falle auf dem Schaffell. Zeichnet jetzt die Umsrisse des Schnittmusters auf das Leder auf. Benutzt am besten einen Bleistift oder Kreide, wie sie von Schneidern benutzt wird. Filzstift oder Kuli würdet ihr am Ende noch unschön auf dem Leder sehen können.

Nun haltet ihr, noch flach, euren späteren Schuh in den Händen. Bevor ihr aber mit dem Zusammennähen beginnt, muss das Fell noch ein paar Millimeter am Rand gekürzt werden. Das wird euch das Nähen erleichtern und die Nähte schön dünn halten.

Das Fell kann auch vorsichtig mit einer Schere gekürzt werden

Zusammennähen des Mokassins

So, jetzt geht es los: Faltet euer Lederstück in der Mitte, undzwar so, dass die Innenseite nach außen zeigt. Ihr näht die Schuhe also linksherum zusammen, um sie am Ende wieder „auf rechts“ zu drehen. Dadurch sind die Nähte später im Inneren des Schuhs verborgen. Weil die Nähte also direkt an euren Füßen liegen, solltet ihr sie klein und eng halten und Knoten vermeiden, die euch am Ende in den Wahnsinn treiben.

Die roten Linien kennzeichnen, wo ihr die Nähte setzen solltet
Kleine, feine Nähte

Für das Nähen könnt ihr gewachstes Ledergarn und eine Ledernadel verwenden. Ledernadeln zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht nur spitz zulaufen, sondern über eine Dreiecksspitze verfügen, die an den Seiten scharf ist. Diese „Mini-Speere“ können auch dickeres Leder durchdringen. Menschliches Leder übrigens auch, also lieber langsam und gemächlich nähen…

Für die Naht bietet sich ein Rundstich an, also immer von vorne nach hinten in Spiralen vorwärts arbeiten. Näht vorne nicht zu weit, sodass der Fuß am Ende noch bequem in den Schuh gleiten kann. Probiert am besten zwischendurch aus, wie weit ihr mit der vorderen Naht gehen könnt.

Zurück zum Fersenzippel

Nachdem ihr vorne und hinten die Hauptnähte gesetzt habt, könnt ihr den Schuh umstülpen. Wie oben schon erwähnt, habt ihr eine kleine Klappe in euer Leder eingeschnitten, die ihr jetzt hinten herausgucken lassen könnt. Dieser Zippel wird nun noch hochgeklappt und festgenäht.

Zippel vorher
Zippel nachher

Schnürsenkel einfädeln

Nun kommt eure Lochzange zum Einsatz. Setzt in größeren, regelmäßigen Abständen Löcher an den oberen Rand eurer Schuhe und fädelt das breite Lederband ein. So sitzen die Schuhe besser und fester.

Das war’s noch nicht ganz – es folgt das Einlaufen

Sobald ihr die obige Prozedur zweimal überstanden habt, steht ihr stolz und glücklich vor eurem ersten Paar Mokassins. Noch sind sie aber nicht ganz fertig: Wie ihr vielleicht bemerkt habt, gibt es kein separates Schnittmuster für linke und rechte Schuhe. Eure Mokassins werden erst zu linken und rechten Schuhen, indem ihr sie tragt und sich das Leder euren Füßen und eurer Gangart anpasst. Dadurch wird auch die noch sehr spitze Form der Mokassins zurückgehen.

Falls euch die Schuhe noch zu dünn oder kalt sind, könnt ihr eine Sohle aus Wolle oder Fell in die Schuhe legen, falls es der Platz noch hergibt (ein wunderbarer Weg, letzte Wollreste vom Stricken zu verwerten :). Ansonsten kann man durchaus ein zweites, größeres Paar Mokassins nähen und beide Paare ineinander schieben. Verwendet ihr die Schuhe als Hausschuhe, reicht ein Paar aber mit Sicherheit.

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