Messer schleifen mit Wasserschleifsteinen

Wir alle nutzen täglich ein ganz besonderes und hilfreiches Werkzeug: das Messer. Wir benutzen es zum Brotschneiden, Pilze sammeln, Rasieren, Schnitzen, Obst schälen, Päckchen öffnen, Fleisch zerkleinern und um kleine Herzchen in irgendwelche Bänke zu ritzen. Mit ein wenig Pflege sind uns gute Messer jahrzehntelang treu. Neben der gelegentlichen Reinigung gehört dazu vor allem das Schleifen. Deswegen möchte ich heute beschreiben, wie ihr Messer jeder Größe innerhalb weniger Minuten zum Blitzen bringt. 

Was ihr dafür benötigt, seht ihr hier:

Außerdem benötigt ihr noch einen Abziehriemen aus Leder. Was das ist und was er beitragen soll, erkläre ich weiter unten. Zunächst gebe ich einen kurzen Überblick über die verschiedenen Schritte des Schleifens:

Schleifsteine einweichen

Wollt ihr eure Messer mit üblichen Wasser-Schleifsteinen schleifen, müssen diese immer mit Wasser vollgesogen sein. Das liegt daran, dass nicht die Steine selbst eure Messer schleifen, sondern ein sogenannter Schleifschlamm. Das ist eine Art „Matsch“, der entsteht, wenn ihr euer Messer über den nassen Stein führt.

Legt deshalb all eure Schleifsteine in eine Schale mit Wasser und wartet, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Das dauert ungefähr 10-15 Minuten. Tröpfelt auch während des Schleifens immer mal wieder etwas Wasser auf die Steine, damit sie dauerhaft mit Wasser gesättigt sind.

An den Luftblasen ist gut zu erkennen, wie sich die Steine mit Wasser vollsaugen.

Das Schleifen

Sind eure Schleifsteine mit Wasser gesättigt, beginnt ihr mit dem gröbsten Stein (Körnung: ca. 200-400) und legt ihn auf ein angefeuchtetes Küchentuch. Das Tuch verhindert, dass euch die Steine beim Schleifen wegrutschen.

Setzt das Messer in einem Winkel von 15 bis 20 Grad auf den Stein auf. Als kleine Hilfe könnt ihr euch vorstellen, ihr hättet eine Geldmünze unter dem Messer liegen.

Wie ihr seht, zeigt die Messerklinge nach vorn und wird auch in diese Richtung über den Schleifstein geschoben. Das nennt man einen „schiebenden Schliff“. Versucht, das Messer so über den Schleifstein zu führen, dass alle Enden der Klinge einmal mit dem Stein in Berühung kommen. Das heißt, dass ihr das Messer nicht nur nach vorne schiebt, sondern auch ein wenig zur Seite. Hier findet ihr eine Anleitung, deren Videos sicher beim Nachmachen helfen können.

Habt ihr die eine Seite der Klinge geschärft, dreht ihr das Messer um und legt noch einmal auf der anderen Seite los.

Hier ist der Winkel zwischen Messer und Schleifstein etwas zu groß geraten.

Wenn beide Seiten der Klinge circa 15-20 Mal über den Stein geschoben wurden, ist es Zeit, einen Stein mit einer mittleren Körnung (ca. 800-1000) zur Hand zu nehmen. Ganz zum Schluss sorgt der Schleifstein mit der feinsten Körnung (> 1000) für den letzen, akkuraten Schliff.

Messer abziehen

Beim Schleifen entsteht ein kleiner Grat auf der Klingenseite des Messers, die zuletzt oben lag. Um diesen Grat zu entfernen, die Klinge also zu begradigen, zieht man das Messer zum Schluss über ein Stück Leder. Daniel hat das Leder auf einem Stück Holz befestigt, um besser damit arbeiten zu können.

Das Leder wurde anfänglich mit ein Polierpaste versehen, die man mit dem Finger in das Leder einreiben kann. Diese Paste braucht nur gelegentlich aufgetragen werden. Die Seite www.messer-machen.de empfielt, die Behandlung nach 10-30 Messerschleif-Vorgängen aufzufrischen.

Anders als beim Schleifen zieht man hier das Messer zum Körper hin.

Ein solcher Abziehriemen ist euch übrigens schon einmal in Daniels Artikel über das Rasieren wie vor hundert Jahren über den Weg gelaufen. Auch Rasiermesser sollten im Krieg gegen die Stoppeln eine begradigte, superscharfe Klinge aufweisen.

Der Schärfe-Test

Ob euer Messer wirklich scharf genug ist, könnt ihr auf verschiedene Weisen testen. Für unser Brotmesser nehme ich ganz pragmatisch das Brot und schaue, ob sich das Messer von der krossen Kruste aufhalten lässt. Das ist natürlich die ganz banale Methode.

Ihr könnt die Schärfe eures Messer aber auch testen, indem ihr es auf euren Arm setzt, undzwar in genau dem Winkel, den ihr beim Schleifen eingehalten habt. Fahrt ihr jetzt (vorsichtig!) mit dem Messer vor und zurück, sollten sich eure Haare demutsvoll von der Haut lösen. Ist das nicht der Fall, könnt ihr das Messer nochmals mit dem Abziehriemen bearbeiten.

Gedanken post scriptum

Dieser Artikel behandelt das Schleifen mit Wasser-Schleifsteinen. Es gibt auch Öl-Schleifsteine, die entsprechend mit Öl vorbehandelt werden müssen. Hierzu kennen wir uns leider nicht genug aus und verweisen deshalb lieber auf andere schlaue Seiten :)

Was hier langwierig beschrieben wird, dauert in der Praxis tatsächlich nur ein paar Minuten  – je nachdem natürlich, wie viele Messer ihr euch vornehmt. Ich kann aber versprechen, dass ihr euch schnell an die guten, scharfen Messer gewöhnen werdet – es gibt doch wenig Dinge, die so nutzlos sind wie stumpfe Messer…

 

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