Holztasse (Guksi / Kuksa / Kåsa) schnitzen: Teil 2

Um es gleich zu sagen: ich bin wahnsinnig erleichtert, dass meine Kuksa die ersten Verarbeitungsschritte überstanden hat und während der monatelangen Trocknungsphase nicht gesprungen ist. Anscheinend war es eine gute Idee, sie anfangs im kühlen Hausflur liegen zu lassen, anstatt sie gleich in die warme Wohnung zu holen. Puh!

Nach nur drei der geplanten sechs Trocknungsmonate hatte ich schon allmählich angefangen, die Oberfläche zu bearbeiten. Zum Glück habe ich damit nichts kaputt gemacht – in Sachen Geduld bin ich irgendwie noch kein richtiger Profi…

Zum Vergleich sind hier noch einmal zwei Bilder, die die Tasse vor dem Schleifen zeigen:

Am Anfang war das Birkenholz
Kuksa beim Ausbrennen der Vertiefung

Nun gibt es im Internet viele Kuksaliebhaber, die in einer ungeschliffenen Kuksa einen herrlich rustikalen Charme entdecken können. – Jetzt, nachdem ich das Schleifen mutwillig beendet habe, weiß ich auch warum. Es dauert unglaublich lange. Zumindest, wenn man höchst persönlich Hand an das harte Birkenholz anlegt. Durch die Tassenform ist es auch sehr schwer, mit einem Schleifgerät in alle Vertiefungen hineinzukommen. Aber mal ehrlich: wer sich die Mühe macht, so eine traditionelle samische Tasse zu schnitzen, den ziehen auch keine elektrischen Schleifgeräte an. Da will man Elch-Feeling!

Deswegen habe ich also beherzt zu Sandpapier und -schwamm gegriffen. Blüsl aus, Blaumann an und losgerubbelt:

Beginn des Schleifens

An der Farbgebung kann man sehr schön erkennen, wo noch Dellen sind, die es zu glätten gilt. Grundsätzlich sollte für den Vorschliff eine möglichst starke, grobe Körnung gewählt werden. Danach kann sich in der Körnung immer weiter nach oben gearbeitet werden (von 60 bis hinauf zu 200). Zwischendurch ist es immer wieder sinnvoll, den Staub von der Tasse zu entfernen. Für ein richtig glattes Ergebnis kann zum Schluss mit einem leicht angefeuchteten Lappen über die Tasse gefahren werden, damit auch die letzten sperrigen Holzfasern aufquellen und sich dadurch aufstellen. Eine 240er Körnung sorgt für die finale Glätte. Außerdem gibt es noch ein paar Grundregeln zum Schleifen, zum Beispiel, dass immer nur in Richtung der Fasern/Maserung geschliffen werden soll. Aber das lasst ihr euch besser von den wahren Profis erklären.

Soweit zur Theorie. Die Praxis sieht bei mir etwas nüchterner aus – ich hatte irgendwann einfach keine Lust mehr. Von den vielen Rubbelstunden mal abgesehen konnte ich vor allem die Befürchtung nicht ganz abschütteln, dass mein Birkenholz beim Einfüllen heißer Getränke einreißen könnte. In dem Falle wäre sowieso alles umsonst gewesen… Also: schlürfen first! Danach kann frisch gestärkt das Finale eingeläutet werden. Oder auf den rustikalen Charme gepocht. Mal gucken.

Den Rest seht ihr hier:

Bauchlage
Rückenlage
Rechts vom Griff könnt ihr sehen, wie das Salz wieder aus dem Holz austritt. Ob das nun gut oder schlecht ist? Ich habe keine Ahnung...

Nach bisher zwei noch recht salzigen Stärkungen ist noch nichts eingerissen oder aufgesprungen. Ich darf hoffen! Vor allem habe ich Lust, endlich mit dem Tässchen in die Natur zu ziehen. Vielleicht bohre ich dafür noch ein kleines Loch zum Aufhängen in den Henkel. Und dann ist sie bereit, meine erste Kuksa.

 

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