Krempeln wir die Ärmel hoch!

Gerade ist der Schreck über die Pläne zur Privatisierung des Wassers in Europa abgeebbt, da hören wir vom neuesten Streich der internationalen Konzerne: Eine neue EU-Saatgut-Verordnung wird der Europäischen Kommission am 6. Mai zur Abstimmung vorgelegt. Eine, die sich gewaschen hat und jeden Kleingärtner, jeden Saatguthändler, jeden Liebhaber alter Obst- und Gemüsesorten, uns alle einschränkt:

Es geht um eine Saatgutverordnung, laut derer Landwirte in Zukunft nur noch amtlich zugelassenes Saatgut verkaufen dürfen. Eine solche amtliche Zulassung würde alte und seltene Sorten schlicht durchfallen lassen. Die Folge wäre, dass die Saatenvielfalt in Europa eingeschränkt würde. Hersteller industriellen Saatguts hingegen reiben sich die Hände.

Und was ist mit den kleinen Gärtnern, die alte, nicht zugelassene Sorten verwenden? Ihnen und auch Privatleuten, die zum Beispiel selbst gezüchtetes Saatgut tauschen oder verschenken, drohten hohe Strafen.

Uns fehlen die Worte, deshalb lassen wir Global 2000 und Arche Noah sprechen, die in ihrer Petition argumentieren:

Auf EU-Ebene wird eine neue Saatgutverordnung verhandelt, von der wieder einmal die Agrarkonzerne profitieren werden. Alte und seltene Sorten sollen dadurch in die Illegalität getrieben werden. Die bunt gesprenkelte Paradeiser, die violetten Erdäpfel, der gschmackige Apfel aus der Kindheit – all das würde aus unseren Gärten und von unseren Tellern verschwinden.

Während KonsumentInnen, GärtnerInnen und LandwirtInnen von der Vielfalt abgeschnitten werden, kann die Agrarindustrie aufatmen: Ist die Vielfalt erstmal verdrängt, können sie den Menschen die genormte Einfalt auftischen. Die EU-Saatgutverordnung fördert die Konzentration von Saatgut in den Händen weniger Multis. Für viele lokal angepasste, seltene und alte Sorten von Gemüse, Obst und Getreide wäre das das sichere Ende.

Vorgesehen sind kostspielige Testverfahren, die nur industrielle Sorten der Agrarkonzerne bestehen können – alte und seltene Sorten werden damit von Weitergabe und Anbau ausgeschlossen. Damit bestimmen die Konzerne, was angebaut werden darf und auf unsere Teller kommt.

Die EU-Saatgutverordnung muss die Vielfalt akzeptieren, statt sie zu vernichten. Nur eine echte Vielfalt an Sorten sichert, dass unsere Landwirtschaft sich an veränderte Bedingungen anpassen kann.

Was können wir tun? Wir denken, dass es sinnvoll ist, neben der lokalen, regionalen und nationalen Politik auch die Europäische gut im Auge zu behalten. Es wurden mehrere Petitionstexte zum Unterzeichnen ins Netz gestellt, die wir hier verlinken möchten:

Außerdem hat Annika vom Grünen Himmel einen sehr informativen Artikel mit noch mehr Informationen geschrieben, den wir euch sehr empfehlen möchten.

Zu guter Letzt aber lassen wir Henry David Thoreau zu Wort kommen, denn der hatte schon 1849 erkannt:

Muß der Bürger auch nur einen Augenblick, auch nur ein wenig, sein Gewissen dem Gesetzgeber überlassen? Wozu hat denn dann jeder Mensch ein Gewissen? Ich finde, wir sollten Menschen sein, und danach Untertanen. (In: Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat, 1849, Diogenes ©1967 S. 9)

Wir behaupten: H. D. Thoreau hätte auch Seed-Bombs geschmissen!

 

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