Kreisrunder Haarausfall – ein Jahr später…

Mein erster Artikel zum kreisrunden Haarausfall ist eindeutig auf großes Interesse gestoßen und hat die meisten Kommentare auf unserem Blog erhalten. Das spricht für die allgemeine Verbreitung dieser Krankheit, aber auch für den Mangel einer befriedigenden Behandlungsmethode für Betroffene. Auch ich habe ja in den ersten Wochen nach Ausbruch des Haarausfalls das Netz nach Behandlungsmöglichkeiten durchforstet. Jetzt ist es schon fast ein Jahr her seit ich im August 2013 die ersten kahlen Stellen entdeckt habe. Wie sieht es heute aus?

Zu Beginn erst einmal ein großes Dankeschön an alle Kommentatoren! Auch wenn ich im kreisrunden Haarausfall keine schwerwiegende Krankheit sehe, geht mit ihm doch eine gewisse psychische Belastung einher. Zu wissen, dass es auch andere gibt, die von dieser Krankheit betroffen sind, hilft ungemein und ich hoffe natürlich auch, dass alleine das offene Reden über meinen Haarausfall anderen bei der Bewältigung ihres eigenen helfen wird. Die psychische Belastung ist wohl das, was am meisten «schmerzt» an dieser Krankheit.

Meine bisherigen Erfahrungen

Als ich im August letzten Jahres die ersten kahlen Stellen an meinem Kinn entdeckt habe und diese fast täglich größer wurden, war das ein großer Schock für mich. Sofort wurde das Netz nach Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten durchsucht, was die Sorgen eigentlich nur noch vergrößerte. Denn hier liest man sofort vom kreisrunden Haarausfall, der sich soweit ausdehnt, bis alle Haare auf dem Kopf ausgefallen sind. Oder man liest von den rabiaten Behandlungsmethoden mit Cortison. Manche Seiten bieten auch einige Hinweise zum psychologischen Umgang mit der Krankheit, allerdings hatte ich in dieser Anfangsphase meiner Krankheit nicht wirklich ein Ohr dafür.

Ich habe mir damals immer wieder gesagt, dass es ja nur Haare sind, was aber nur bedingt half, da ich einerseits meinen Bart geliebt habe und andererseits dies an der eigentlichen Angst vorbei geht. Es ist nicht der Verlust von Haaren, der mir zu schaffen gemacht hat, sondern die ständige Angst und Ungewissheit, wie weit der Haarausfall noch voranschreiten wird. Nach dem Ausbruch im August kam daher der zweite große Schock, als ich um Weihnachten herum eine große kahle Stelle an meinem Hinterkopf entdeckt habe. Sie war aufgrund der langen Haare vorher noch nicht aufgefallen. Das war wirklich der Tiefpunkt, da sich der Haarausfall bis dahin nur auf die Barthaare beschränkt hatte und ich nun fest damit rechnete noch mehr kahle Stellen auf dem Kopf zu bekommen.

Zur gleichen Zeit habe ich mir dann den Bart abrasiert, da es aufgrund der großen kahlen Stellen im Gesicht einfach keinen Sinn mehr machte ihn zu behalten. In gewisser Weise war das ein wichtiger Schritt, um mich mit der Krankheit abzufinden. Dadurch, dass Menschen mich auf den fehlenden Bart ansprachen, hatte ich auch die Möglichkeit offen über den Haarausfall zu reden. Ich war überrascht wie viele Leute doch in meinem Bekanntenkreis auch schon einmal kreisrunden Haarausfall gehabt hatten. Wie schon oben erwähnt erleichtert das den Umgang mit dem eigenen Haarausfall sehr.

Im Februar dieses Jahres sah ich dann auf einer kahlen Stelle am Kinn die ersten weißen Haare. Was für eine Erleichterung das war! Zwar hatte ich natürlich schon gelesen, dass kreisrunder Haarausfall zeitlich begrenzt ist und die Haare wieder zurück kommen. Allerdings ist es eine Sache darüber zu lesen und eine andere den direkten Beweis im Gesicht zu haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte also die Krankheit ihre weiteste Ausdehnung bei mir gehabt. Leider habe ich kein Bild gemacht und muss es daher hier beschreiben: Die Barthaare waren bis auf einen Fleck zwischen Nase und Oberlippe, einem Fleck unter der Oberlippe und unter dem Kinn, sowie Bereichen an der Kinnkante und auf den Wangen völlig verschwunden. Weiterhin hatte ich ein kahle Stelle über dem linken Ohr und die große kahle Stelle am Hinterkopf.

Seit April wachsen nun die Haare sichtbar und beständig nach. Außer zwei Stellen am Kinn, wo die weißen Haare aufgetaucht sind, wachsen die Barthaare schwarz nach. Auch die Stellen mit den weißen Haaren füllen sich seit einer Woche mit schwarzen Haaren. Auf den kahlen Stellen am Kopf wuchsen zuerst weiße Haare nach, welche sich dann dunkel färben. Hier ein Bild vom derzeitigen Zustand:

einjahrDie psychische Situation hat sich einmal komplett gedreht. Nachdem ich nach Ausbruch der Krankheit fast jeden Tag mit Angst in den Spiegel geschaut habe, um nach neuen kahlen Stellen zu suchen oder zu überprüfen, wie weit sich die vorhandenen vergrößert haben, ist es nun so, dass ich mit Freude zusehe, wie neue Haare sprießen und ich schon überlege, wann ich mir wohl wieder meinen Bart wachsen lassen kann.

Zwei Erkenntnisse

Bevor ich jetzt gleich noch eine Übersicht gebe, welche Behandlungsmöglichkeiten mir per Mail oder Kommentar gegeben wurden, möchte ich für andere Betroffene zwei Erkenntnisse wiederholen, welche auch überall im Netz stehen, aber im Schock der Krankheit leicht vergessen oder nicht angenommen werden, trotzdem aber wichtig und richtig sind:

  • Viele Menschen haben kreisrunden Haarausfall, aber nur wenige reden offen darüber, was aber wiederum vielen helfen würde.
  • Kreisrunder Haarausfall ist in fast allen Fällen nur zeitlich begrenzt. Die kahlen Stellen wachsen wieder zu.

Potentielle Behandlungsmöglichkeiten

Zur psychischen Belastung der Betroffenen trägt der Umstand bei, dass es keine einfache und mit Sicherheit wirksame Behandlungsmethode gibt. DCP, eine Reiztherapie gegen kreisrunden Haarausfall, ist die derzeit erfolgversprechendste Methode der Medizin. Allerdings nimmt diese einige Zeit und Aufwand in Anspruch, da die Dosis des Mittels erst in mehreren Versuchen an die eigene Haut angepasst werden muss. Danach folgt eine Behandlungsreihe, welche sich auch über einen längeren Zeitraum hinzieht. Diese Behandlungsmethode stand mir hier in Norwegen nicht zur Verfügung und eine Behandlung in Deutschland war aufgrund der Kosten von regelmäßigen Flugreisen nicht möglich.

Eine ähnliche Behandlungsmethode, wie DCP, habe ich versucht und in meinem ersten Artikel beschrieben, wobei ich sie falsch angewendet habe, wie mir einer unser Leser mitteilte. Ich habe die Haut auf der kahlen Stelle mit einer Rasierklinge eingeschnitten, was zu rabiat war und eher dazuführt, dass man Narben bekommt. Man soll die Haut mit der Rasierklinge nur aufrauen und nicht einschneiden, bevor man das Knoblauch-Salzgemisch aufträgt. Sollte die Krankheit bei mir noch einmal ausbrechen, dann werde ich sicherlich dieser Methode nochmal eine Chance geben, da ich sie mehrfach im Netz als Erfolg beschrieben gefunden habe.

Einen anderen Tipp von einem Leser fand ich auch sehr interessant: Penatencreme. Penatencreme enthält Zink, was wiederum entzündungshemmend wirkt. Frische, kahle Stellen sollen dick mit Penatencreme bestrichen wieder zuwachsen.

Was sind die Ursachen?

In den Kommentaren zu meinem ersten Artikel gab es auch einige Theorien über die Ursachen/Auslöser von kreisrundem Haarausfall. Die Medizin sagt, dass es sich bei kreisrundem Haarausfall um eine Autoimmunkrankheit handelt, die durch extremen Stress ausgelöst werden kann. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus ist dies für mich die plausibelste Erklärung. Mein gesamtes letztes Jahr bestand aus einer ständig zunehmenden Stressbelastung bei der Arbeit. Ich hatte Probleme mit meinem Chef, wodurch eine tägliche, psychische Belastung gegeben war. Glücklicherweise war es mir möglich zum Ende des Jahres hin meine Arbeitsstelle zu wechseln und somit diese Belastung auszuschalten. Meine Profilaxe gegen kreisrunden Haarausfall soll in Zukunft daher aus bewusster Stressvermeidung bestehen. Ich hoffe, dass ich derartige Stresssituationen besser spüren und ggf. umgehen kann oder mich mit entsprechenden Techniken beruhige. Meditation ist hier eine Methode, die zu mir passt.

Einige Kommentatoren haben auch physiologische Ursachen als Auslöser für kreisrunden Haarausfall benannt. Diese waren Mangelernährung, Hormone, Zahnerkrankungen und Amalgamfüllungen. Hierzu kann ich nicht viel mehr sagen und mag mir auch kein Urteil erlauben, außer dass ich alle für mich erst einmal ausschließe, da Stress als Auslöser bei mir einfach wie die Faust auf’s Auge passt. Nun bin ich aber kein Mediziner und auch kein Naturheilpraktiker und somit mag für andere Betroffene ein Test auf diese Auslöser angebracht sein, genau wie diverse ”alternative” Behandlungsmethoden.

Fazit

”Die Zeit heilt alle Wunden.” könnte ich in Anbetracht des Verlaufes meines kreisrunden Haarausfalls plakativ zitieren. Mich hätte ein solcher Spruch beim morgendlichen Blick in den Spiegel aber einfach nur wütend gemacht, denn eins ist klar: Kreisrunder Haarausfall ist einfach ein großer Scheiß und mordsmäßig nervig!  Drum hilft es sicherlich auch einfach mal richtig schön zu fluchen und der Krankheit in Gedanken die Fresse zu polieren. ”Was guckst du denn so blöde, kreisrunder Haarausfall?!?!” BANG!

Update März 2015

Da es in den Kommentaren nachgefragt wurde, möchte ich hier kurz ein Update zu meinem kreisrunden Haarausfall geben. Von meinem kreisrunden Haarausfall ist nichts mehr zu sehen. Alle kahlen Stellen sind wieder komplett mit normalen Haaren zugewachsen und ich habe mir sogar meinen alten Horseshoe-Mustache zurück, den ich doch sehr vermisst habe. Ab circa Oktober letzten Jahres war der Haarwuchs im Gesicht wieder so dicht, dass ich mit den Bart wachsen lassen konnte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch ein paar kleine, kahle Stellen unter Kinn. Ab Januar diesen Jahres waren dann alle kahlen Stellen verschwunden, was bedeutet, dass dieser Schub von kreisrundem Haarausfall genau anderthalb Jahre gedauert hat. Natürlich mach ich mir manchmal Gedanken, wann wohl ein neuer Ausbruch der Krankheit kommt, da ich jetzt schon oft gelesen habe, dass der kreisrunde Haarausfall in regelmäßigen Abstanden wieder auftritt. Ich hoffe allerdings, dass ich meine Stresssituation auch in Zukunft gut unter Kontrolle habe und somit den Ausbruch hinausschieben oder ggf. abschwächen kann. Durch Eure vielen Kommentare habe ich jetzt auch noch einige „Hausmittel“ an der Hand, die ich bei einem neuen Ausbruch ausprobieren werde. Daher an dieser Stelle noch ein großes Dankeschön für all Eure Kommentare. Ich drück Euch, die ihr auch von dieser Krankheit betroffen seid, die Daumen, dass sie auch so schnell und spurlos wieder verschwindet, wie bei mir.

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