Ich werde Imker II – Schwärmereien

Wie ich im April schon berichtet habe, besuche ich derzeit einen Imkerkurs. Jetzt nach den ersten Praxisstunden und ein paar Lesestunden mit dem Buch „Der Wochenend-Imker“ gerate ich beim Thema Bienen immer wieder ins Schwärmen. Über meine Schwärmereien und die der Bienen soll es daher im folgenden Artikel gehen. Da das Schwärmen eine zentrale Stellung im Lebensrhythmus des Bienenvolkes einnimmt, werden jetzt sicherlich auch die Bienenlaien verstanden haben, welch flaches Wortspiel ich mir eben geleistet habe. Es soll bei diesem letzten Imker-Insiderwitz bleiben, sonst schwärmen uns unsere Leser noch in Scharen davon. Hihi.

Nach den ersten beiden theoretischen Stunden umfasst mein Imkerkurs mehrere praktische Stunden, die sich über das Jahr verteilt mit den diversen jahreszeitlichen Aufgaben beschäftigen. Im letzten Monat, Mai, ging es um die Schwarmkontrolle, und in diesem Monat um die Teilung von Völkern. Beide Themen haben mit der besonderen Fortpflanzung im Bienenvolk und dem Schwärmen zu tun. Wie sicherlich viele wissen, besteht so ein Bienenvolk aus einer Königin, vielen Arbeiterinnen und einigen männlichen Drohnen. Es gibt zwei Formen der Fortpflanzung bei Bienen – einmal die direkte innerhalb eines Volkes durch befruchtete und unbefruchtete Eier, andererseits die Aufteilung eines Volkes in zwei oder mehrere neue Völker durch das Schwärmen.

Frisch schlüpfende und geschlüpfte Bienen.
Frisch schlüpfende und geschlüpfte Bienen.

Was ist nun dieses Schwärmen? Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Bienenvolk in Schwarmlaune kommt. Meist geschieht es im Frühsommer, wenn das Volk sehr zahlreich ist. Die Arbeiterinnen, die in dieser Zeit mehr oder weniger arbeitslos werden, weil sie keine Brut zum Pflegen finden (Platzmangel, schwache Königin) fangen an, spezielle Zellen zu bauen. Die werden Weiselzellen genannt und sind größer als normale Wabenzellen. Die Königin bestiftet (legt ein Ei in) diese Zellen, wonach die Weiselzellen von den Arbeiterinnen mit einem speziellen Saft (Gelèe Royal) versorgt werden. Dadurch entwickelt sich aus dem Ei eine neue Königin.

Bekommt die alte Königin dies mit, stellt sie die Eierproduktion ein und wird auch nicht mehr von den Arbeitern gefüttert, damit sie schlank wird für den Ausflug. Noch bevor die neue(n) Königin(nen) schlüpfen, verlässt die alte Königin mit einem Teil des Volkes den Stock. Wenn sie das ungehindert tun kann, weil kein eifriger Imker versucht sie wieder einzufangen und dem alten Volk zuzuführen, dann sind aus einem Bienenvolk zwei geworden. Durch diverses Nachschwärmen kann sich das Ursprungsvolk noch weiter teilen, bis hin dazu, dass keine oder kaum noch Bienen im Restvolk übrig sind.

Ein Imker, der auf Ertrag aus ist, wird natürlich mit allen Möglichkeiten versuchen, das Schwärmen zu vermeiden, damit die Bienenanzahl in seinem Volk nicht plötzlich halbiert ist. Wie man die Schwarmfreude im Volk erkennt und welche Maßnahmen man dann zur Verhinderung des Schwärmens durchführen kann, darum ging es im Imkerkurs im Mai. Hier ein paar Bilder:

Ab in die Schutzkleidung und rann ans Werk.
Ab in die Schutzkleidung und ran ans Werk.
Allgemeine Kontrolle und die Suche nach Weiselnäpfchen.
Allgemeine Kontrolle und die Suche nach Weiselnäpfchen.
Zwei herausgebrochene Weiselzellen.
Zwei herausgebrochene Weiselzellen.

Im Juni ging es dann um die kontrollierte Vermehrung eines Bienenvolkes. Natürlich möchten viele der Kursteilnehmer möglichst bald mit der Imkerei beginnen und sind sehr daran interessiert, ein eigenes Volk zu bekommen. Daher haben die Kurslehrer zwei Methoden angewandt, um neue Völker zu erzeugen. Zum einen das Anlegen von Ablegern und zum anderen durch Kunstschwärme direkt im Kurs. Beim Anlegen von Ablegern werden Wabenrähmchen mit Brut und natürlichen oder künstlichen Weiselzellen aus dem Ursprungsvolk herausgenommen und mit einigen Arbeiterinnen in eine eigene, abgetrennte Zarge gesetzt. Im weiteren Verlauf wird dann überprüft, ob eine neue Königin geschlüpft ist, ob sie sich gepaart hat und ob sie mit dem Eierlegen begonnen hat. Ist das alles geglückt, hat man ein neues Bienenvolk geschaffen.

Beim Kunstschwarm handelt es sich um einen künstlich erzeugten Schwarm. Dafür werden die Bienen von mehreren Rähmchen in eine passende Kiste/Zarge geschüttet. Sie bekommen einigen Honig, um sich wie beim natürlichen Schwarm den Bauch für die Reise vollzuschlagen. Außerdem braucht man noch eine junge Königin, die nach einigen Stunden dem Schwarm zugeführt wird. Handelt es sich bei der Schwarmkiste um eine Beutezarge, kann man gleich eine Zarge mit passenden Rähmchen aufsetzen und die Königin in einem speziellen Käfig dazu hängen. Der Kunstschwarm wandert dann in die obere Zarge ein und befreit seine neue Königin aus ihrem Gefängnis.

Zum Abschluss noch ein paar Bilder vom Imkerkurs am letzten Wochenende.

Ist eine Königin im Ableger?
Ist eine Königin im Ableger?
Abschütten der Bienen in eine Leerzarge, um einen Kunstschwarm zu erzeugen.
Abschütten der Bienen in eine Leerzarge, um einen Kunstschwarm zu erzeugen.
Imkern macht Spass!
Imkern macht Spaß!

 

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