Gastbeitrag von Kathrin: Färben mit Naturfarben

Hallo, mein Name ist Kathrin und ich möchte euch heute etwas über das Färben mit Naturmaterialien erzählen. Ich bin ausgebildete Wildnispädagogin und das Färben mit Pflanzen war mein Herzensprojekt in der Ausbildung.

In der Wildnispädagogik geht es darum, sich mit der Natur zu verbinden. Pflanzen zum Färben zu sammeln ist eine sehr schöne Methode dafür. Ich streife mindestens einmal in der Woche durch Wald und Wiesen und beobachte, welche Pflanzen jetzt gerade blühen, was sich zum Färben anbietet. Zuhause experimentiere ich dann mit dem gesammelten Pflanzenmaterial.

Bevor ich aber starte, muss ich mir zuerst überlegen, ob ich das Material beize. Tierische Fasern, so wie Wolle oder Seide nehmen die Farbe relativ leicht an. Eine Beizung hilft aber dabei, intensive Farben zu erzielen. Darum beize ich inzwischen meine Wolle.

Pflanzliche Stoffe wie Baumwolle, Hanf oder Leinen sollten sowieso gebeizt werden, da sie die Farbe sonst nur sehr schlecht absorbieren.

Selbstgestrickter Schal, mit Soja gebeizt und anschließend gefärbt

Beizen

Es gibt unzählige Methoden zu beizen, ich möchte hier nur zwei aufführen. Sehr gerne mag ich die Beizung mit Sojamilch, die Rebecca Desnos in ihrem Buch „Botanical Colours at your Fingertips“ vorstellt.

Die Beizung mit Soja ergibt softe Farben, wie man an diesem Schal erkennen kann. Hier ist die Wolle immer mit Soja gebeizt und dann gefärbt worden.

Wer kräftigere Farben möchte, dem sei eine Beizung mit Alaun zu empfehlen. Ich verwende inzwischen meist eine moderate Warmbeizung. Dabei löse ich 8% Alaun des Trockengewichts in heißem Wasser auf, gebe es in einen Topf voller Wasser, den ich dann langsam auf ca. 40 Grad erhitze. Das Beizgut verbleibt insgesamt ca. 6 Stunden bei 40 Grad in der Beize und wird immer mal wieder etwas bewegt.

Es gibt auch noch viele andere Arten zu beizen, mit Tannin oder Pottasche, ich habe hier noch nicht so viel ausprobiert, da ich immer viel zu neugierig auf den nächsten Schritt bin: Die Färbung.

Färben

Ihr sammelt, was gerade Saison hat (unten finde ihr noch ein paar Anregungen) und erhitzt das Material in einem ausreichend großen Topf, den ihr hinterher nicht mehr zum Kochen verwenden solltet. Bei Blüten bitte nur vorsichtig erhitzen, bei Wurzeln oder Blätter darf das Wasser ruhig kochen. Ungefähr eine Stunde köcheln lassen und danach das Pflanzenmaterial abgießen, wenn sich eine schöne Farbe entwickelt hat. Ist die Farbe noch sehr schwach, ruhig noch eine Nacht warten, manchmal passieren dann kleine Wunder.

Sobald ihr das Pflanzmaterial abgegossen habt, schwimmen in eurem Wasser unzählige kleine Farbpartikel, das ist dann eure so genannte Färbeflotte. Dahinein gebt ihr jetzt euer Färbegut, also die gebeizte Wolle oder den gebeizten Stoff. Wieder erhitzen und einfach abwarten. Schaut, wann euch die Farbe gefällt. Wenn sie noch zu schwach ist, gerne nochmal erhitzen und wieder warten warten, warten – gerne auch mal über Nacht oder mehrere Tage. Bei Weißdornblättern habe ich ganz lange gewartet, dafür war die Farbe hinterher auch unheimlich tief und kräftig.

Soweit die Theorie. Die Praxis dürft ihr ausprobieren. Die Ergebnisse werden immer ganz unterschiedlich ausfallen, es hängt einfach von so vielen Faktoren ab: Vom Wasser, das ihr verwendet, vom Material der Töpfe, vom Zeitpunkt des Sammelns (junge Brennnesselspitzen ergeben z.B. grau, ältere Brennnesseln beige).  Pflanzenfärben ist für mich immer wieder eine tolle Wunderkiste und ich freue mich jedes Mal über die neuen Variationen.

Färbepflanzen (eine natürlich unvollständige Auswahl)

Farbnuancen der Natur

All time favourites:

  • Walnussblätter
  • Birkenrinde
  • Birkenblätter
  • Erlenkätzchen

Aus der Küche:

  • Avocadokerne
  • Zwiebelschalen
  • Rosmarin
  • Schwarzer Tee

 

 

 

Im Sommer/Spätsommer

  • Ringelblume
  • Goldrute
  • Brombeeren
  • Schwarze Stockrosen
  • Holunderbeeren
  • grüne Walnussschalen

Jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Ausprobieren. Wenn ihr mehr wissen wollt: Auf meinem Blog www.waldweg.blog schreibe ich regelmäßig über meine Färbe-Experimente. Ich würde mich freuen, euch dort zu sehen.

Empfehlungen

Die Königin des Färbens mit Naturmaterialien: India Flint, „Eco Colour. Botanical colors for beautiful textiles“. Murdoch Books 2008.

Alles über das Beizen mit Soja: Rebecca Desnos, „Botanical Colours at your Fingerprints“, erhältlich über www.rebeccadesnos.com

Meine Wolle habe ich bei www.rauwerk.de gekauft, meinem absoluten Lieblingsladen für Biowolle. Besonders empfehlen zum Färben kann ich die Wolle von Betten Rieger und die Schafwolle Höfer.

Für alle diejenigen, die keine Zeit zum Sammeln haben oder nicht aus der Stadt rauskommen, gibt es Kits fürs Färben und für Ecoprints (das möchte ich auch noch unbedingt ausprobieren) bei www.heymamawolf.de.

 

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