Fuchsköcher

Im letzten Jahr ist mir auf einer norwegischen Seite mit Kleinanzeigen ein Angebot für ein Fuchsfell aufgefallen. Der Verkäufer war Jäger und hatte den Fuchs in seinem Jagdgebiet geschossen und das Fell selbst gegerbt. Da ich bei diesem Angebot sicher sein konnte, dass der Fuchs nicht in einer Pelztierfarm gelitten hat und der Preis für das fertig gegerbte Fell gut war, habe ich zugeschlagen.

Da sich Marie zu dieser Zeit ihren Rückenköcher gebaut hat und ich in diesem Zusammenhang im Netz auf indianische Köcher gestoßen bin, war schnell die Idee gefunden, dass ich mir aus dem Fell einen Fuchsköcher nähe.

Beim richtigen Abbalgen des Fuches behält der Pelz seine natürliche Hohlform. Die einfachste Art, sich einen Fuchsköcher (-beutel oder -sack) zu nähen, besteht darin, eine der beiden Öffnungen (Kopf oder Hinterteil) zu schließen. Als Trageriemen dienen die mit einem Band verbundenen  Vorderläufe und Hinterläufen des Tieres. Ein schönes Beispiel für einen solchen einfachen Fuchsköcher zeigt Living History School in diesem YouTube-Video.

Mir erschien diese einfache Fuchsköcherkonstruktion aber zu unstabil. Gerade das Hineinstecken von Pfeilen wird schwierig, wenn die Köcheröffnung nicht durch eine Verstärkung aufgehalten wird. Daher entschloss ich mich, meinem Köcher durch einen Holzstab entlang der Längsachse mehr Stabilität zu geben, wie es schon der Ötzi vor 5300 Jahren mit einer Haselrute gemacht hat. Öffnung und Boden des Köchers habe ich mit  Lederzylindern verstärkt, wobei der untere Zylinder noch einen Lederboden erhielt, damit sich die Pfeilspitzen nicht durch den Pelz bohren.

Es folgen ein paar Bilder zum Bau und zum fertigen Köcher. Die Bilder können per Mausklick vergrößert werden.

Hier liegen der Fuchspelz und der geschälte Zweig, welcher als Verstärkung dienen soll, bereit. Ich habe mit einem meiner Pfeile geprüft, wo der untere Lederzylinder im Pelz liegen muss, damit die Pfeile weit genug aus dem Köcher ragen. Außerdem habe ich mich hier entschlossen, die Halsöffnung des Pelzes als Köcheröffnung zu verwenden.

 

 

 

 

 

 

Auf diesem Bild sieht man die Konstruktion, welche im Köcher steckt. Die beiden Lederzylinder sind am Ast befestigt. Hierfür dienen durch den Ast verlaufende Bohrungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Alles ist im Pelz verschwunden und das untere Ende ist schon vernäht. Der Ast ragt ein gutes Stück aus dem Pelz heraus. Einerseits ist dies als Griff gedacht, andererseits wird der Tragegurt am unteren Ende nur mit einer einfachen Schlaufe befestigt, sodass man die Länge des Gurtes variieren kann.

 

 

 

 

 

 

 

Der Pelz wird hier über den oberen Rand des oberen Lederzylinders gefaltet und festgenäht. Die Lederzylinder selbst sind am fertigen Köcher nicht mehr zu sehen. Leider war das Leder des Pelzes stellenweise sehr dünn, wodurch ich beim Nähen sehr aufpassen musste, dass die Stichlöcher nicht ausreißen. Zum Teil musste ich den Pelz auch auf den Lederzylinder kleben, um ihm mehr Haltbarkeit zu geben und ein späteres Aufreißen zu vermeiden.

 

Den Trageriemen des Köchers habe ich selbst fingergewebt. Fingerweben ist eine indianische Handarbeitstechnik, mit der man sehr reißfeste und strapazierbare Riemen, Gürtel und Bänder herstellen kann. Ich plane, in Zukunft eine eigene Artikelreihe zum Fingerweben zu schreiben.

 

 

 

 

 

 

 

Und hier ist der fertige Fuchsköcher zu sehen.

Das Fell des Kopfes habe ich vom restlichen Pelz abgeschnitten und gedreht an die Bauchseite genäht. Zusammen mit einem Vorderlauf habe ich es am Trageriemen befestigt, so dass es nun so aussieht, als würde der Fuchs sich über meine Schulter lehnen. Die beiden Hinterläufe und der Schwanz sind nicht befestigt und baumeln lustig herum.

 

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