Einen Spültisch bauen

Das erste wirklich spaßige Bastel-Projekt hier auf dem Hof war unser Spültisch. Auf eine moderne Einbauküche hatten wir keine rechte Lust. Eher auf etwas Altes, ein bisschen zusammen gewürfelt und „mit Charme und Geschichte“. Deswegen sind bei uns viele gebrauchte Möbel eingezogen, die wir zum Teil noch umbauen oder restaurieren wollen. Leider kosten Spültische in diesem Stil ein Vermögen, sodass uns nur noch ein Eigenbau blieb. Wie so oft bei unseren Projekten haben wir keine große Erfahrung vorzuweisen, dafür aber eine Menge Spaß beim Vortasten. Und für alle, die es vielleicht auch einmal probieren wollen, gibt es hier eine kleine Anregung in Bildern.

Das hier sollte er werden, der neue Spültisch. Bekommen haben wir ihn gebraucht für 150 Euro. Eine Kommode mit durchgängigen Schubfächern wäre eigentlich die bessere Variante für einen Spültisch, weil man dort nur einen oder zwei Schubladen-Böden entfernen müsste, um Platz für das Spülbecken im Innern zu machen. Aber was soll’s, den hier fanden wir einfach toll.

kuechenschraenkchen
Nachdem das gute Stück ein paar Wochen in der Scheune warten musste, hier der Familieneinsatz beim Schrubben. Für den Bau mussten alle Türen und Schubfächer abgenommen werden. Später sollten sie dann das Chaos im Inneren verdecken.

Auch die Spüle haben wir gebraucht gekauft. Sie sah wie neu aus, also fiel uns kein guter Grund ein, eine neue Spüle zu kaufen. Alle weiteren Materialien im nächsten Bild:

materialien
Wir brauchten eine Stichsäge (geliehen), Schleifpapier, farblosen Holzlack und Pinsel, Holzöl (Hartöl und Tungöl), farbloses Sanitärsilikon, eine Armatur und einen Bleistift. Nicht auf dem Bild und trotzdem notwendig: ein Lineal, ein Cuttermesser, eine große Pappe und eine Bohrmaschine

Und dann ging’s los. Im Internet wird häufig geraten, das Spülbecken verkehrt herum auf die Arbeitsplatte zu legen und die Umrisse direkt mit einem Bleistift anzuzeichnen. Das funktioniert aber nur, wenn die Spüle rechteckig bzw. spiegelverkehrt ist. In unserem Fall ist sie aber asymmetrisch, sodass wir erst eine Schablone aus Pappe basteln mussten. Die Schablone konnten wir danach wieder „richtig herum“, also mit der Oberseite nach oben zeigend, auf die Arbeitsplatte legen und die Umrisse anzeichnen. Bis es soweit war, haben wir an die zwanzig mal getestet, ob auch wirklich alles akkurat überein stimmt, denn es kommt auf jeden Millimeter an. Ist das Loch erst einmal gesägt, hat man ein Problem wenn es zu groß ist…

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Basteln der Schablone. Ausgeschnitten haben wir sie mit einem Cuttermesser

Die Umrisse der Spüle sind allerdings noch nicht die Richtlinien für die Stichsäge bzw. das Loch. Erst muss noch der Rand der Spüle abgezogen werden, mit dem sie auf der Tischplatte aufliegen soll (sonst fällt sie ja einfach durch das Loch, nicht wahr…). In unserem Fall waren das 1,1 cm. Also muss eine zweite, innere Linie angezeichnet werden, an der die Stichsäge dann entlang geführt werden konnte.

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Ringsherum haben wir 1,1 cm vom Rand abgezogen und eine zweite, innere Linie angezeichnet. Das sind die eigentlichen Richtlinien für die Stichsäge

Dann gab es da noch einen Haken: zwei senkrechte Innenwände, die dem Spülbecken in die Quere gekommen wären. Also raus, das Zeug.

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Grobe Gewalt: Unser Spültisch ist von innen teilweise ausgehöhlt, damit das Spülbecken genug Platz hat. Durch Schubfächer und Türen wird man das am Ende nicht mehr sehen.

Nun konnte das große Sägen beginnen. Um die Stichsäge einführen zu können, wird mit einem großen Bohrer ein Start-Loch gebohrt.

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Das Loch sollte groß genug sein, um die Stichsäge einführen zu können
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Ich hatte vorher noch nie eine Stichsäge in der Hand und kann eigentlich nur Mut machen: es ist einfacher als es aussieht, so lange man sich Zeit lässt und nicht hektisch über die Linien hinweg schießt. Die Säge lässt sich gut kontrollieren.
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Probe: ein Glück, es passt alles. Zeit für einen heißen Erleichterungskaffee! Oder zwei…
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Zufrieden? Na, erst mal abwarten. Augenschutz ist dabei notwendig, es wirbelt eine ganze Menge Staub durch die Gegend

Auch in die Rückwand musste noch ein großes Loch, damit alle Wandanschlüsse ihren Platz finden.

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Malträtierter Tisch

Die Sägerei an sich ging am schnellsten. Da unsere Arbeitsplatte aber aus Holz besteht und wir sie auch so belassen wollten, mussten wir die Platte mehrmals schleifen und ölen, um sie wasserbeständig zu machen.

schleifen
Für das Schleifen braucht man nicht unbedingt eine Schleifmaschine, ich nehme sie aber so gern :) Schleifpapier tut’s auch.

Die Schnittkante wird innen mit Holzlack versiegelt, damit eventuell eindringendes Wasser das Holz später nicht aufquellen lässt. Die Oberseite der Arbeitsplatte haben wir mit lebensmittelechtem Hartöl eingerieben, schließlich will man auch mal ein Stück Apfel auf der Fläche ablegen können. Für eine wirklich wasserabweisende Holzfläche sind mehrere Schichten notwendig. Damit die Oberfläche besonders glatt wird, kann zwischendurch immer mal wieder mit feinem Schleifpapier angeschliffen werden (was ich aber nicht immer gemacht habe). Insgesamt haben wir 5 Schichten Hartöl aufgetragen. Vielleicht waren es auch 6, ich bin irgendwann mit dem Zählen durcheinander gekommen :) Meistens habe ich abends geölt, damit das Öl über Nacht trocknen konnte. Das war schon eine kleine Geduldsprobe, wo ich mich doch soo sehr nach einer Spüle in der Küche gesehnt habe.

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Den Lappen habe ich nachts draußen ausgebreitet, damit er sich nicht entzünden kann

Von meinem derzeit größten Youtube-Liebling und Lehrer Lothar Jansen-Greef habe ich gelernt, dass Tungöl das einzige Öl ist, das schwarze Flecken auf Holz-Arbeitsplatten minimiert oder sogar verhindert. Die schwarzen Flecken entstehen, wenn nasses Metall chemisch mit dem Holz reagiert. Davon können wir nach unseren Jahren in Bergen ein Lied singen, und so war es mir die Zeit wert, auch noch zwei Tungöl-Anstriche zu wagen. Auch wenn der dünne Auftrag ein bis drei Tage braucht, um zu trocknen.

So! Ist das erledigt, kann die Spüle eingesetzt werden. Entweder man legt ein Dichtungsband zwischen den Rand der Spüle und die Arbeitsplatte, oder man verwendet Sanitärsilikon zum Abdichten. Weil es in unserem Baumarkt kein Dichtungsband gab, haben wir eine Schicht transparentes Silikon aufgetragen. Leider hat mein Handy das entsprechende Foto verschluckt. Unverschämt. Aber stellt euch einfach eine dicke Silikon-Wurst auf der Unterseite des Spülen-Rands vor, einmal ringsherum, dann habt ihr’s ;)

Ist die Spüle eingesetzt, kann sie mit Klammern oder Schrauben von innen befestigt werden. Herausquellendes Silikon auf der Arbeitsplatte muss eventuell noch entfernt werden. Dafür gibt es ganz praktische Abzieher (auch „Fugenglätter“ oder „Silikonglätter“) im Baumarkt, die ich als Anfänger nur allen empfehlen kann.

spueltisch
Drei der Schubfächer sind unversehrt geblieben und können weiter genutzt werden, zum Beispiel für Spülmittel, Schwämme etc. Nur das obere rechte Schubfach musste ein paar Seitenwände einbüßen, weil die Spüle sich zu breit macht.

Der Endspurt geht ganz fix: Armatur dran (nach Montageanleitung), Schläuche anschrauben und fertig ist der Spültisch. Möge das ewige Gerenne ins Bad ein Ende haben. Aaaaah.

 

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