Die Brennnessel, ein genialer Allrounder

Der Besuch bei meinen Großeltern hat sich diesen Sommer noch auf ganz andere Weise gelohnt. An einem benachbarten Feld wuchsen so herrlich viele frische Brennnessel-Pflanzen, dass ich Lust bekommen habe, sie zu trocknen und zu Tee zu verarbeiten. Während diese Prozedur natürlich ganz einfach geht (sammeln im Juni bis Oktober, bündeln, trocknen, übergießen), habe ich trotzdem etwas gelernt: nämlich, dass man Brennnesseln in einem luftigen, schattigen Raum trocknen sollte und nicht in der prallen Sonne.

Sammeln mit Handschuh und Sichel

Bündeln
Trocknen
Aufguss

Außer der Teezubereitung kann man noch viele andere schöne Dinge mit Brennnesseln anstellen. Die meisten Gärtner wissen, dass Brennnesseljauche ein wunderbar ökologisches Dünge- und Blattlausbekämpfungsmittel ist. Sie ist eine Nahrungsgrundlage für viele Schmetterlingsarten und generell eine Zeigerpflanze für einen guten, stickstoffhaltigen Boden.

In der Küche ist die vitamin- und eiweißreiche Brennnessel eine traditionelle Gemüsepflanze, aus der Brennnesselsalat (die Nesselhaare werden durch das Vermischen mit der Sauce zerstört), Brennnesselspinat, Pesto oder Brennnesselsuppe hergestellt werden können. Außerdem ist ihr Aroma in Bier beliebt. Geröstete oder getrocknete Brennnesselsamen sind ein Gewürz, das man zum Beispiel in Kräuterkäse geben kann. Das hier schon vorgestellte Buch „Essbare Wildpflanzen“ weiß natürlich noch viel mehr :)

Für die experimentierfreudigen Molker und Käser unter uns ist interessant, dass Brennnesselblätter früher abgekocht und in Salz eingelegt wurden, um sie später als Gerinnungsmittel bei der Käseherstellung zu verwenden. Das könnte das ständige Bestellen von Lab ersparen, und das wiederum wäre natürlich genial…

Das war aber noch lange nicht alles. Früher wurden aus den Fasern der Brennnessel Seile und Stoffe hergestellt. Auf der Seite des Alpenvereins Südtirol findet ihr eine Anleitung zum Drehen von Seilen aus Brennessel-Fasern.

Da sage nochmal jemand, die Brennnessel wäre ein „Unkraut“!

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