Deo mit Kokosnussöl

Ich schwöre, ich bin kein Kosmetik-Freak. Dafür bin ich viel zu faul, und so spannend ist mein Spiegelbild auch wieder nicht. Seit ich aber angefangen habe, mich mit den Inhaltsstoffen meiner paar Pflegeprodukte zu beschäftigen, bin ich ins Grübeln geraten. Würde ich dieselben Produkte kaufen, wenn auf den Verpackungen verständlicher aufgelistet würde, was wirklich drin ist? Ganz ehrlich, bei einigen Produkten bezweifle ich das. Und diese Erkenntnis war mir weitere Recherchen wert.

Während ich mich im Internet etwas mehr umgeschaut habe, hat sich mir eine kleine neue Internetwelt aufgetan. Es gibt viele Blogger, die an ihrem „grünen Badezimmer“ arbeiten, an Kosmetika und Waschmitteln also, die menschen- und umweltschonend sind, möglichst wenig Plastikmüll erzeugen und ganz nebenbei eine verdammt preiswerte Sache sind. Ein toller deutscher Blog, den ihr auch rechts im Blogroll sehen könnt, ist Anderswelt, auf dem es jede Menge Posts und Gedanken zu dem Thema gibt. Wen das Englische nicht stört, dem will ich auch unbedingt The Pistachio Project ans Herz legen. Der Untertitel sagt schon alles: „One mom’s journey of living green and crunchy“.

Deo: do it yourself

Aber zurück zur Anderswelt. Dort habe ich also zum ersten Mal vom DIY Deo gelesen. Das Rezept dafür geht wiederum auf zwei andere Blogs zurück, das Pistachio Project und Fridgescrapings.com. So sieht es aus, mein erstes selbstgemachtes Deo:

Drin sind nur:

  • 3 TL Kokosöl
  • 2 TL Natron (auch „Natriumbicarbonat“, „Natriumhydrocarbonat“ „Speisesoda“, „Backsoda“ oder „Speisenatron“ genannt)
  • 1-3 EL Pfeilwurz-Stärke oder Maisstärke (manche Menschen vertragen Maisstärke nicht so gut, ich gehöre dazu)
  • nach Belieben 5-10 Tropfen ätherisches Öl, in meinem Fall 8 Tropfen Grapefruit-Essenz

Das Kokosöl ist fest und muss für die Verarbeitung bei geringer Wärme geschmolzen werden. Danach wird alles zu einem Brei (bzw. Soße) verrührt und in eine Dose oder alte Deo-Verpackung gefüllt. Da das Öl beim Abkühlen in seinen festen Zustand zurückkehrt, kann es, wenn es fest genug ist, wie ein Deostift benutzt werden. Das Pfeilwurz-Pulver fungiert nur als Bindemittel.

Nachtrag: Die meisten Rezepte empfehlen eine geringere Menge Pfeilwurz-Pulver. Für mich funktionieren 2-3 EL aber besser. Probiert am besten aus, was euch am besten gefällt und gebt so viel Kokosöl dazu, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Warum Kokosnussöl?

Kokosnussöl enthält sowohl Laurinsäure als auch Caprylsäure. Beide Säuren hemmen das Wachstum von Bakterien, Viren und Pilzen (was auch die Hauptfunktion des Natrons ist). Da unangenehmer Schweißgeruch durch Hautbakterien entsteht, die sich in den feuchten, warmen Achselhöhlen wohl fühlen, sind antibakterielles Kokosnussöl und Soda geeignete Hauptbestandteile von Deodorants. Zusätzlich ist das Kokosöl ein Feuchtigkeitsspender, der die Haut nicht irritiert oder angreift. Es hinterlässt eine weiche, gepflegte Haut.

Das Innere meines gekauften Deo-Rollers

Da ich bei der Recherche zu den Inhaltsstoffen meines Gesichtswassers so viel gelernt habe, wollte ich mir auch die meines bisherigen Deos vornehmen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit empfielt hierfür die INCI („Inhaltsstoffe Kosmetik“) Datenbank von Haut.de. Insgesamt war die Liste tatsächlich nicht so „beeindruckend“ wie die des Gesichtswassers, da viele Stoffe auf natürliche Fette und Duftstoffe zurückgehen. Diese Stoffe werden ergänzt durch:

  • Aluminum chlorohydrate. Das sind Salze, die durch Veränderung von Proteinen in den Hautzellen die Poren verengen, wodurch die Schweißbildung verringert werden soll. Es besteht die Gefahr von Hautreizungen und Irritationen, allerdings ist das vielzitierte Krebsrisiko nicht hinreichend nachgewiesen. Das deutsche Krebsforschungszentrum bezieht Stellung:

Genügten noch vor wenigen Jahren Wasser und Seife, später vielleicht noch Deos, die Körpergeruch verhinderten, müssen es heute meist schon so genannte Antitranspirantien sein, die die Schweißbildung hemmen. […] Bekannt ist lediglich – wie bei allen Kosmetika und Körperpflegemitteln – die Gefahr der Allergiebildung oder der Unverträglichkeit. Menschen mit empfindlicher Haut sollten bei Problemen deshalb auf andere Produkte wechseln. Auch beobachten Radiologen gelegentlich, dass in die Haut aufgenommene Bestandteile der schweißhemmenden Kosmetika in der Mammographie zu sehen sind. Bei guter Durchführung der Untersuchung sind diese Einlagerungen jedoch von auf Brustkrebs hinweisenden verdächtigen Gewebeveränderungen zu unterscheiden. “ (Quelle: 1)

  • Sodium Benzoate ist ein Konservierungsstoff, der, wie die meisten Konservierungsstoffe, Allegien auslösen kann. Als Haltbarmacher eingesetzt kann es zu Kontaktallergien kommen, die mit Hautrötungen, Juckreiz und Ekzembildung einhergehen. Im Zweifel wird empfohlen, auf Produkte umzusteigen, die auf natürlicher Basis eine längere Haltbarkeit garantieren (Quelle: 2).
  • Benzylalkohol ist ein chemischer Duft- und Aromastoff der Gruppe der Akohole (Quelle: 3)
  • Linalool ist ein farbloser Alkohol mit frischem, blumigen Geruch. (Quelle: 4)
  • Parfum.

So ganz „ohne Alkohol“ und für empfindliche Haut, wie es das Etikett verspricht, ist mein Deo also nicht unbedingt.

Fazit

Abschließend sei noch erwähnt, dass das selbstgemachte Deo keineswegs ein Antitranspirant ist, da es die Hautzellen nicht durch Aluminiumsalze verändert und die Poren nicht verengt. Vielmehr gehört es in die Gruppe der Deodorants, die das Vermehren von geruchsverursachenden Bakterien eindämmen.

Nachtrag:

Heute werde ich mit Überzeugung mein bisheriges Fazit in diesem Artikel löschen: „An beruflich wichtigen und stressigen Tagen, an denen ich Schweißflecken um jeden Preis umgehen möchte, werde ich also sicher weiterhin zur chemischen Lösung greifen. Gerade was meine Erscheinung im Beruf angeht bin ich nicht bereit, zu wilde Experimente zu machen.“

Ich bin gerade von einer Konferenz zurückgekommen, bei der mich mein gekauftes Deo (immernoch das oben genannte) ganz schön im Stich gelassen hat. Nachdem ich vor lauter Schreck wieder auf das Kokosnussöl-Deo umgestiegen war, war ich mehr als zufrieden mit meinem nicht vorhandenen Körpergeruch. Das neue Deo kann also wirklich mit dem alten mithalten, was mich, ehrlich gesagt, etwas überrascht. Das Kokosnussöl scheint tatsächlich die Vermehrung von geruchsverursachenden Bakterien gehemmt zu haben.

Ich werde nach dieser Erfahrung also sehr wohl das neue Deo im Alltag benutzen. Dass das Öl meiner (leider sehr empfindlichen) Achselhaut unheimlich gut tut, ist ein wunderbarer Nebeneffekt.

 

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