Das Wissen unserer Großeltern: Seile herstellen

Es passiert selten, dass ich beim Besuch auf dem Hof meiner Großeltern nicht über irgendetwas Spannendes aus vergangener Zeit stolpere. In einer ihrer Scheunen haben die zwei ein kleines Museum eingerichtet. Hier hängt an der Wand, was früher lebensnotwendig war: alte Werkzeuge, Maschinen und Gebrauchsgegenstände zur Selbstversorgung auf dem Hof des 19. und 20. Jahrhunderts.

Das "Museum"

Beim diesjährigen Besuch kam der besagte Stolperstein in Form eines Gerätes daher, mit dem man früher Seile gedreht hat. Meine Großeltern nennen die Maschine einfach Seiler-Maschine, bei Wikipedia heißt sie Reepschläger (Reep = plattdeutsch „Seil“). Egal wie man sie nennt, sie tut vor allem eins: Seile drehen. Mit Hilfe von vier drehbaren Haken, die von einer Kurbel angetrieben werden, kann man Einzelfäden oder -seile nochmals in sich verdrehen, um ein dickes, reißfestes Seil herzustellen. Das musste natürlich ausprobiert werden!

Dank meiner tatkräftigen Großeltern und ein paar änfänglicher Überlegungen, wie es denn damals nochmal war, haben wir es tatsächlich geschafft. Nach einer halben Stunde war es da, das erste eigene Seil seit vielen Jahrzehnten.

Staubiges Museumsstück: vier drehbare Haken, von einer Kurbel an der Rückseite angetrieben
Links im Bild werden die Haken zum Drehen gebracht. Rechts im Bild werden die "Einzelfäden" mit Hilfe eines Bauchgurtes gehalten.
Hofgeschichte unter Körpereinsatz
Ein sogenannter Führungsdorn hilft, die "Einzelfäden" kontrolliert zu verdrehen. Ab und zu springen die Fäden auch mal heraus... Gar nicht so einfach, wie es aussieht.
Meine Großeltern nennen den Führungsdorn einfach nur "Katze". Bildquelle: Ra Boe 2007. Der Seiler auf dem Weg zum fertigen Seil (Wikimedia Commons)

 

Und so hat es vielleicht ausgesehen, als damals die Seile hergestellt wurden…

Quelle: Неизвестный фотограф конца XIX века. 1896. Handcraft Industry and Trades of Nizhegorodskaja gubernija. Ropemaking. Pavlovo. XIX c. (Wikimedia Commons))

 

Natürlich hatte die Seiler-Maschine verdient, noch einmal richtig geputzt und geölt zu werden.

Ein schöner „Bildungsbesuch“ war das! Von der Seilerei abgesehen gab es noch ein paar tolle Grüße aus der Vergangenheit. Wie ihr ganz rechts im letzten Bild seht, habe ich in meinen Großeltern auch zwei Fachleute im Spinnen mit dem Spinnrad gefunden. Außerdem hatte meine Oma noch schöne ungewaschene, fettige Schafwolle herumliegen, an der ich mich sicher bald versuchen werde… das Waschen und Färben von Wolle steht ja gerade ganz oben auf meiner Versuchs-To-Do-Liste. Mal sehen, was dabei herauskommt!

 

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