Alte Sorten – Farbenspiel auf dem Teller

Neuer Garten, große Entdeckungslust. Da wir in jeder Hinsicht noch grün hinter den Ohren sind was das Gärtnern angeht, haben wir uns in diesem ersten Gartenjahr einige Gedanken darüber gemacht, was wir überhaupt in welcher Form anbauen wollen. Wie soll sich der Garten in den nächsten Jahren entwickeln? Fest stand von Anfang an, dass wir alte, auch regionale Sorten sehr interessant finden. Gut an die klimatischen Bedingungen sollen die Pflanzen angepasst sein, robust und auch schön anzusehen. Spaß sollen sie machen! Weniger wichtig war uns der Ertrag, denn es geht uns in den ersten Jahren nicht vorrangig um Selbstversorgung.

Die fadenlose Stangenbohne „Quedlinburger Speck“ blüht gelb-weiß und bildet lange, grüne Hülsen mit weißen Bohnen aus.

Ein Glücksfall war für uns der Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg. Den Verein finde ich spannend, denn er erhält rund 2000 alte Nutzpflanzensorten, macht sie für uns alle zugänglich und betreibt eine vielfältige Bildungsarbeit, um über die alten Sorten und deren Anbau zu informieren. Den Nutzen und auch die Schönheit der alten Sortenvielfalt und das Problem der Abmagerung des heutigen Sortenangebotes beschreibt der Verein sehr schön auf seiner Internetseite:

Seit Jahrtausenden sind Pflanzen eine grundlegende Basis menschlicher Existenz. Sie liefern nicht nur Nahrung, sie liefern auch Fasern für Kleidung, Farben, diese zu färben, Feuermaterial zum Wärmen und Baumaterial für die Behausungen. Musikinstrumente werden aus ihnen gemacht, Blumen schmücken unsere Gärten und Wohnungen. […] So ist durch die Arbeit unserer Vorfahren über die Zeiten eine einst unüberschaubare Vielfalt an Sorten und Formen entstanden. Die meisten dieser Nutzpflanzensorten sind ebenso wie viele alte Zierpflanzenformen aus unseren Gärten längst verschwunden. Sie werden nicht mehr angebaut. Mit den Änderungen unserer Lebensweisen ging im 20. Jahrhundert in Deutschland ein massiver Rückgang dieser Vielfalt einher. Immer weniger, dafür immer größere Saatgutunternehmen setzen vorrangig auf neue Züchtungen und Hochleistungssorten. Schaut man in die Saatgutregale der Bau- und Gartenmärkte, sind z. B. bei Tomaten oder Gurken nicht selbst vermehrbare Hybridsorten fast schon die Regel.“ (Quelle: vern.de, 09.09.2017)

Saatgut des Vereins VERN zur Erhaltung alter Sorten. Auch die Ringelblumensamen habe ich direkt beim Verein bestellt.

Natürlich wird das private Thema dadurch auch ein politisches. Monsanto und Co haben ein Interesse daran, den Verkauf oder Tausch von „amtlich nicht zugelassenem“ Saatgut zu unterbinden und Pflanzen wie Tiere patentieren zu lassen.

Die alte tschechische Landsorte „Stratova“ ist eine orangefarbene, herrlich süß duftende Rübe. Sie wird durchaus auch größer als auf dem Bild erkennbar; ich hatte sie nur für das Foto eher geerntet und geknabbert

Neben der politischen Schönheit sorgen alte Sorten aber auch für Schönheit auf dem Teller. Mein persönliches Highlight ist die lilafarbene Kartoffel „Violetta“. Lilafarbener Kartoffelbrei, wie famos ist das denn! Direkt gefolgt von lilafarbener Kartoffelsuppe.

Die Violetta ist eine festkochende, mittelfrühe Sorte mit blauem Fleisch. Sie hat einen angenehmen, kräftigen Kartoffelgeschmack. Allerdings ist sie nicht ganz so ertragreich wie manche andere Sorten.
Lilafarbener Kartoffelbrei sorgte nicht nur bei den Kids für gute Stimmung :)

Da ich meine Begeisterung für buntes Gemüse entdeckt habe, werde ich im nächsten Jahr bestimmt die lilafarbene Stangenbohne, die Kartoffel „blauer Schwede“ und die alte französische, weiße Möhre „Blanche ½ longue des vosges“ anbauen. Ganz zu schweigen vom gelben Radieschen „Rundes Gelbes“. Samen für die schwarzbraune Tomate „Black Plum“ habe ich schon bestellt, kam allerdings in diesem Jahr nicht mehr dazu, sie vorzuziehen. Im nächsten dann. Auf ein neues, farbenfrohes Gartenjahr!

 

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